Das Volk war voll Erwartung

Liebe Schwestern und Brüder,

Warten auf den Bus. Nach fünf Minuten Verspätung werde ich unruhig. Da höre ich das dumpfe Motorengeräusch, endlich wird er kommen. Nein, es war nur ein Laster. Die Zeit schleppt sich dahin. Alle zwei Minuten schaue ich auf die Uhr. Ob er überhaupt fährt heute? Vielleicht hatte er einen Unfall... Es ist furchtbar kalt. Schließlich kommt er doch.
Warten. Ob im Wartezimmer des Arztes, in der Kantine oder an der Bushaltestelle. Warten läßt uns alles andere vergessen. Wir denken nur noch an das, worauf wir warten.
So wartete damals das Volk der Israeliten auf den Messias. Das Auftreten Johannes des Täufers beeindruckt sie. Sie warten, deshalb denken sie auch sofort im stillen, ob Johannes nicht selbst der Messias ist. Aber dieser wortgewaltige Heilige sagt Nein. Ich bin nichts im Vergleich zu dem, der kommt.
Das Volk wartet weiter. Fiebert dem Messias entgegen. Und dann öffnet sich tatsächlich der Himmel. Du bist mein geliebter Sohn, dich habe ich erwählt.
Das Volk war voll Erwartung. Und wir? Erwarten wir noch so den Herrn? Und damit ist nicht gemeint, daß Sie jetzt den Endzeitpropheten hinterherrennen sollen. Damit ist nicht gemeint, daß sie in Untergangsstimmung Bunker bauen und Lebensmittevorräte horten sollen. Damit ist gemeint, daß jeder Tag, jeder Stunde und Minute von der Erwartung geprägt ist. Jeder Augenblick ein Augenblick der Sehnsucht. Wir warten auf den Herrn. Wenn schon das Warten auf den Bus unsere Gedanken in Beschlag nehmen kann, um wieviel mehr sollte uns Jesus beschäftigen, wenn wir wirklich auf ihn warten.
Esperare. Darin steckt das lateinische spes, Hoffnung. Hoffen und warten das ist ein und dasselbe. Von einer Frau, die ein Kind erwartete, sagte man früher, sie ist In guter Hoffnung. Deshalb vergleicht der heilige Johannes in der geheimen Offenbarung unsere Situation mit einer Frau, die in Geburtswehen liegt. Wir alle sind vom Herrn erlöst, Glieder seines mystischen Leibes. Aber noch sind wir Wartende, Menschen in guter Hoffnung. Noch schauen wir verborgen, was einmal offenbar werden wird: die Herrlichkeit Gottes.
Die drei Könige aus dem Morgenland mußten lange warten. Zwischen dem Stern am Himmel und dem Besuch an der Krippe liegt ein langer Weg. Schwierigkeiten, seltsame Gespräche mit Herodes, der sie in aller Heimlichkeit empfängt. Und dann wird ihr Warten belohnt. Epiphanie: Erscheinung des Herrn. Das Verborgene tritt ans Licht.
So wird auch unser Warten belohnt: Auch jedem von uns wird der Herr erscheinen. Das Problem: wir warten zu wenig, wir erwarten von Gott zu wenig. Vielleicht hat auch die Könige vieles abgelenkt vom eigentlichen Ziel: die Tiere waren müde, der Durst beim durchqueren der Wüste quälend. Aber der Stern am Himmel hat sie wieder daran erinnert, warum sie sich auf den Weg gemacht hatten.
Wenn wir warten, brauchen auch wir diesen Stern am Himmel. Einen Star, wie man auf englisch sagt. Nur sollte unser Star kein Teenie und kein Kontainerbewohner sein. Unser Blick geht weiter. Es gibt viele Sternstunden, die uns daran erinnern, daß wir Wartende sind. Menschen, die die Liebe Gottes erfahrbar machen. Worte aus der Schrift und der Verkündigung, die unser Innerstes treffen. Gebete, die uns mit Gott verbinden.
Warten wir nicht immer auf der selben Stelle. Die drei Könige waren unterwegs. Stehen bleiben ist für einen Christen ein Schritt zurück. Warten und hoffen darf nicht passiv sein. Warten wir, aber so wie die Könige, gehen wir dem Herrn entgegen.
Das Volk war voll Erwartung. Herr, Jesus, laß auch uns Dich immer mehr erwarten. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Im Anfang war das Wort

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Kinder!

Wisst ihr noch? Damals, wie alles angefangen hat? Es war etwas ganz Besonderes. Anfänge prägen sich besonders gut in unser Herz ein. Die erste Begegnung mit einem guten Freund. Selbst Kleinigkeiten vergisst man nicht. Weisst du noch, wie du damals kamst, mit dieser scheusslich grünen Sonnenbrille? Wie du über deine Schnürsenkel gestolpert bist, weil du deinen Schuh nicht richtig gebunden hattest? Anfänge haben etwas Geheimnisvolles. Das erste Rendevous, der erste Kuss!
Anfänge haben aber auch etwas Vorläufiges. Wie oft fangen wir Dinge an, die wir dann nicht durchhalten können. Mein Papa wartet heute noch auf weitere Ausgaben seiner Zeitschrift. Als Kinder hatten wir selbst Zeitschriften gemalt. Mit Witzseiten und Geschichten. In der Regel blieb es aber beim ersten Exemplar, obwohl es doch der Anfang eines Abonnements werden sollte. Viele Kinder fangen an ein Instrument zu spielen, aber schon nach kurzer Zeit werfen sie alles hin. Unser Leben besteht aus nicht durchgehaltenen Anfängen. Wir bräuchten keine Beichte, wenn es nicht so wäre. An Silvester machen viele Menschen gute Vorsätze. Im Neuen Jahr werde ich aufhören zu rauchen. Schließlich bin ich doch nicht so bescheuert: Rauchen kann tödlich sein. Rauchen schadet ihnen und ihren Kindern. Rauchen verursacht Lungenkrebs. Rauchen macht impotent. Ein hervorragender Anfang. Ja, damit höre ich auf. Aber bei aller plötzlichen Einsicht die den Raucher bei Sekt und Raketenfeuer getroffen hat, bleibt es bei diesem Anfangen.
Bei Gott ist es anders. Ganz anders. Denn bei Gott gibt es überhaupt keinen Anfang. Es gibt weder Anfang noch Ende. Denn Gott ist ewig. Gott hat es schon immer gegeben und es wird ihn immer geben. Gott verändert sich nicht. Er bleibt immer derselbe. Oft fragen Kinder in der Schule: Wen aber hat Gott erschaffen? Gott wäre nicht Gott, wäre er erschaffen worden. Gott wäre nicht Gott, hätte er einen Anfang. Und deshalb heißt es heute im Evangelium auch nicht: Am Anfang war das Wort, sondern im Anfang war das Wort. Gottes Wort, die zweite göttliche Person ist nämlich auch Gott. Der Sohn Gottes hat keinen Anfang. Er beginnt nicht irgendwann zu sein. Auch die zweite göttliche Person ist schon immer, dem Vater wesensgleich. Sie unterscheidet sich vom Vater nur in der Beziehung. Der Sohn geht von aller Ewigkeit aus dem Vater hervor. Nicht weil der Sohn später wäre, sondern als eine ewige Zeugung in Gott. Im Anfang drückt diese Beziehung aus.
In Gott selbst gibt es also keine Anfänge. Und doch hat Gott etwas angefangen. Durch das Wort ist alles geworden. Der ewige Anfang in Gott ist der Grund für einen zeitlichen Anfang der Schöpfung. Die Welt geht aus dem Wort hervor. Gott setzt einen Anfang. Er erschafft die Zeit. Und auch diese Anfänge Gottes sind so ganz anders als die unseren. Gott erschafft Tiere, Menschen und Engel. Und er steht zu seinem Anfang. Ein Teil der Engel wendet sich ab von ihm. Die Menschen sündigen. Und doch lässt Gott sie nicht zurücksinken in das Nichts. Einmal angefangen führt Gott seinen Plan fort. Mehr noch, er greift selbst ein, indem er das Unglaublichste tut, was wir uns vorstellen können. Der unendliche Gott ohne Anfang, gibt sich selbst einen Anfang in Jesus Christus. Das Wort ist Fleisch geworden. Ein Anfang der so geheimnisvoll ist, dass die Christen früher an ihre Brust geschlagen haben, ja in die Knie gesunken sind, als sie diese Worte aussprachen. Und trotz dieser Liebe lehnen die Menschen Gott ab. Obwohl sich Gott so weit erniedrigt, nehmen ihn die Seinen ihn nicht auf. Und wieder. Wir Menschen hätten uns beleidigt zurückgezogen. Nicht so Gott: er steht zu seinem Anfang in Jesus Christus. Jesus ist das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Jesus geht den Weg nach dem Willen seines Vaters bis zum Ende, damit alle die ihn aufnehmen, die Macht erhalten, Kinder Gottes zu werden.
Im Anfang war das Wort. Gottes Anfänge sind so ganz anders als unsere Anfänge. Wir tun gut daran, uns diese Anfänge immer neu bewusst zu machen. Denn, was ist schon der erste Kuss im Vergleich zu einem solchen Anfang: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Seine Mutter behielt alles in ihrem Herzen

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder

„Familiy Man“ heißt ein Film, in dem ein reicher Frauenheld eines morgens als ein anderer aufwacht. Er befindet sich in einer lebendigen Familie. Die Kinder kreischen und kommen mit ihren großen und kleinen Sorgen zu ihm. Vorher zählte Macht, Beruf und Sex zu den wichtigen Dingen des Mannes. Jetzt entdeckt er - zunächst widerwillig - dass letztlich die Liebe das wichtigste ist. Die Liebe, die er geben und empfangen kann. Die Liebe eines Familienvaters.
Eine alte Freundin erzählte mir, dass sie ihren Mann leider nur an den Wochenenden sehen könne, weil er beruflich so stark eingebunden sei. Ein Familienvater berichtete, dass er viel zu wenig Zeit hätte. „Wer im Beruf erfolgreich sein wolle“, so sagte er, „der müsse auch bereit sein, ganz im Beruf aufzugehen.“ Wer gut Geld verdienen will, muss heute oft die Familie hinten anstehen lassen.
Manchmal scheint es, als hätte man keine andere Wahl, aber letztlich haben wir die Wahl, die freie Wahl was uns wirklich wichtig ist. Dieses Leben ist zu kurz, dass wir es damit verbringen Geld zu sammeln. Dieses Leben ist zu kurz, als dass wir es damit verbringen uns einen kurzen Rausch von Macht und Erfolg zu verschaffen. Dieses Leben ist zu kurz, als dass wir es in kurzzeitigen Vergnügungen verprassen. Jede Sekunde meines Lebens, die ich nicht damit verbringe zu lieben, ist verschwendet und nutzlos. Sicher, der Lebensunterhalt muss gesichert sein, auch das gehört zur Liebe dazu. Aber alles was darüber hinausgeht ist unnötig, ein Nichts im Vergleich zu dem, was ich erhalten kann, wenn ich mich in der Liebe verschenke.
Seine Mutter behielt alles in ihrem Herzen. Die Heilige Familie ist uns gerade in ihrer Schlichtheit ein Vorbild. Wir brauchen nicht alles, was uns die Werbung einreden will. „Ich bin doch nicht blöd“ will uns die „Mutter aller Schnäppchen“ einreden, und dabei sind wir mehr als blöd, wenn wir auf ihre und ähnliche Sprüche hereinfallen und im Konsum die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen ertränken. Die Mutter aller Engel, die himmlische Mutter Maria hat eine andere Botschaft: Erfahre die Liebe in deiner Familie, sei es die leibliche Familie oder sei es auch die Christenfamilie. Erfahre die Liebe im gemeinsamen Spiel, bei Spaziergängen. Erfahre die Liebe Gottes in der heiligen Messe, im gemeinsamen Singen und Beten mit den Schwestern und Brüdern in Christus. Das alles geht zwar auch vorüber, aber es bleibt in deinem Herzen. Du nimmst es mit hinüber in die Ewigkeit, dort wo diese Liebe fortgeführt wird, die du hier begonnen hast.
Seine Mutter behielt alles in ihrem Herzen. In diesem Sinne müssen wir alle ein Familyman, eine Familywoman und ein Familychild werden. Amen.

Guter Gott. Auf die Fürsprache der Mutter der heiligen Familie, bitten wir dich:
Schenke unseren Familien Zeit und Ruhe. Geborgenheit und Stille. Christus höre uns...
Schenke der christlichen Familie den Geist des Gebetes und der Liebe. Christus höre uns...
Schenke den leiblich und geistig Hungernden Hilfe und Zuwendung. Christus höre uns...
Schenke den Verstorbenen Heimat in der Familie des Himmels. Christus höre uns...
Denn du bist unser aller Vater. Dir sei Lob und Preis in deinem göttlichen Sohn Jesus Christus, der mit dir lebt und herrrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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 Sonntag der Heiligen Familie (Unschuldige Kinder)
Das Kind, das sie erwartet ist vom Hl. Geist

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

gilt das nicht von jedem Kind? Ist nicht jedes Kind eine Gabe des heiligen Geistes, uns von Gott geschenkt und anvertraut. Die Zeit eines kleinen Kindes im Mutterschoß. Kein Ort strahlt mehr Geborgenheit aus, und doch geschieht gerade hier ein unfassbares und stilles Morden.
Noch furchtbarer aber das kalte Schweigen derer, die sich Christen nennen. Geheimes Dulden. Natürlich sind wir gegen Abtreibung. Aber wenn man genauer nachfragt, dann zeigt sich oft, daß auch Christen viele Gründe nennen, die eine Abtreibung rechtfertigen. Die Mutter ist erst zwölf, das Kind ist behindert, Vergewaltigung.
Die entscheidende Frage ist? Wann ist der Mensch, ein Mensch. Nach 21 Tagen, wenn das Herz zu schlagen beginnt. In der 10. Woche, wenn alle Organe ausgebildet sind, das Kind letztlich nur noch in der Größe wächst. Wenn die Mutter ihr Kind ab dem 4. Monat zu spüren beginnt. Nach der Geburt? Mit zwei Jahren? Wenn das Kind die ersten Worte spricht? Bei Erwachen der Vernunft mit 7 Jahren? Alle diese Angaben sind willkürlich. Der Mensch ist ein Mensch von Anfang an, wenn Ei und Samenzelle verschmelzen und damit ein völlig neues Individuum entsteht. Die Entwicklung die nun stattfindet ist kontinuierlich. Zu keinem Zeitpunkt kann gesagt werden: jetzt kommt etwas dazu, was das Menschsein ausmacht. Mit der Befruchtung entsteht ein unverwechselbarer Mensch. Im Erbgut ist alles enthalten: es ist klar ob Junge oder Mädchen, ob das Kind später blaue oder braune Augen haben wird, ja selbst die Schuhgröße und bestimmte Charaktereigenschaften sind schon festgelegt.
Wenn wir das ernst nehmen, dann ist jede Abtreibung die Tötung eines vollwertigen Menschen. Wir dürfen keine geborenen Menschen töten. Durch töten lassen sich keine Probleme lösen, so schwierig auch manche Situationen sein mögen. Wenn also ein ungeborenes kleines Kind ein vollwertiger Mensch ist, dann dürfen wir nie und unter keinen Umständen ein solches Kind durch Abtreibung töten. Ohne Ausnahme. Geborene behinderte Menschen dürfen wir nicht töten. Wie kommen also Ärzte dazu ältere Müttern zur Fruchtwasseruntersuchung zu drängen? Die Untersuchung ist nicht ungefährlich für Mutter und Kind und hat zur Zeit nur den einen Zweck: Abtreiben, weil behindert oder leben lassen weil gesund. Was müssen geborene Behinderte denken, wenn man ungeborene Behinderte so auf Leben und Tod verfolgt? Gerade bei den folgenden Spätabtreibung bis zum 5. Monat zeigt sich wie hier der Abtreiber über ein Menschenleben verfügt. Eine Kaiserschnittabtreibung gleicht in allem einer Kaiserschnittentbindung. Mit dem Unterschied, daß man das Kind, das abgetrieben werden soll sich selbst überläßt bis es stirbt, während man anderswo versucht das kleine Menschenleben mit allen Mitteln der Medizin zu retten.
Wenn jeden Tag allein in Deutschland eine Schule in der Größe der Otto-Hahn-Schule ausgelöscht wird, dann fragt sich, wieso sich alles über BSE und Konjunkturprobleme aufregen kann, während das größte Übel unserer Gesellschaft totgeschwiegen wird.
Hinzu kommen die Frühabtreibungen durch die sogenannte Spirale oder das Intrauterinpessar, sogenannte Verhütungsmittel, die nicht den Eisprung, sondern die Einnistung in die Gebärmutter verhindern. Das kleine Kind kann sich wegen der Spirale nicht einnisten und geht zugrunden. Diese Fälle fallen nicht unter das sog. Embryonenschutzgesetz. Es geht aber hier um Menschen, auch in den frühsten Entwicklungsstadien.
Es gibt immer zwei Opfer bei einer Abtreibung. Das Kind wird grausam getötet, die Mutter leidet oft lebenslang an den körperlichen und seelischen Folgen. Die Wunden bleiben zurück, aber gerade für Menschen, die schuldig oder mitschuldig geworden sind am Tod eines Kindes, ist Jesus in einer Krippe Kind geworden. Er will heilen, ein neues Leben im Frieden mit Gott ermöglichen. Das geht nur dann, wenn ich mich meiner Schuld stelle, sie nicht verdränge.
Das Kind, das sie erwartet ist vom Heiligen Geist. Jedes Kind ist uns anvertraut, ob geboren oder ungeboren. Als Christen sind wir gerufen, einzustehen für diese kleinen Menschen, die sich selbst nicht wehren können. Erst dann können wir uns weihnachtlichen Gefühlen hingeben. Amen.
Guter Gott. Du hast uns erschaffen, gewoben im Schoß der Mutter. Wir bitten dich:
• Gib den Regierenden Einsicht, dem Töten an den Unschuldigen ein Ende zu machen. Gott unser Vater...
• Stärke das Bewußtsein in unserer Gesellschaft, daß jeder Mensch das Recht auf Leben hat. Gott unser Vater...
• Hilf uns Christen, daß wir aus unserem Schlaf der Bequemlichkeit und Tatenlosigkeit erwachen. Gott unser Vater.
• Laß die ungeborenen und getöteten Kinder in Dir jene Liebe erfahren, die man ihnen auf Erden nicht geben wollte. Gott unser Vater...
• Laß alle Männer und Frauen, die sich schuldig gemacht haben, Frieden finden in der Versöhnung mit dir. Gott unser Vater...
Herr unser Gott. Jedes Kind ist ein Geschenk. Laß uns dieses Geschenk annehmen, darum bitten wir d. Chr. u. H. Amen,

von Pfr. Michael Roos

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 Zweiter Feiertag (Stephanus)
Nehmt euch vor den Menschen in Acht

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

Die Idylle von Weihnachten. Das kleine Kind mit lockigem Haar. Friede auf Erden.
Sanfte Engelsklänge. Das ist nicht das Weihnachten der Kirche. Das ist nicht das Weihnachten der Liturgie. Da ist von Mord und Verfolgung die Rede. Schon am zweiten Feiertag die Steinigung des Stephanus. Die unschuldigen Kinder werden hingeschlachtet.
Weihnachten als Fest der Massaker und Morde. Weihnachten als Fest des Blutes?
Vielleicht stört es unser Gemüt deshalb so, weil wir uns ein einseitiges kitschiges Bild von Weihnachten gezeichnet haben. Vielleicht haben wir viel zu wenig verinnerlicht, dass Weihnachten auch das bedeutet: Nehmt euch vor den Menschen in Acht.
Das Schöne, Große und Heilige dieser Nacht ist bedroht durch den Hass und die Ablehnung der Menschen, die Gott und die Seinen hassen. Der Leidensweg Jesu beginnt nicht am Gründonnerstag, sondern bereits im Schoß der Jungfrau Maria wird er abgewiesen. Eine Futterkrippe für den König der Welt. Stroh statt ein Daunenbett.
Verfolgung für den Heiland der Welt, schon als kleines Kind. Verfolgung für jeden, der zu diesem Kind gehören will. Stephanus wird deshalb gesteinigt, weil er Weihnachten wirklich mitgefeiert hat. Er weiß, dass das Bekenntnis zum Kind in der Krippe zugleich Bekenntnis zum Kreuz ist.
Die Familienidylle von Weihnachten? Einträchtiges und friedliches Miteinander? Von wegen! „Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken.“ So das Evangelium am zweiten Weihnachtstag. Schon einmal daran gedacht.
Nehmt euch vor den Menschen in Acht. Wegen Weihnachten werden wir von allen gehaßt werden. Von allen, nicht von einigen wenigen. Nicht nur von Verbrechern und Mördern, sondern auch von den scheinbar Guten, von den anständigen Leuten. Hätten Sie gedacht, dass Weihnachten einen solchen Hass heraufbeschwören kann? Würden Sie vielleicht am liebsten schnell alle Christbäume und Lichter verschwinden lassen? So war das nicht gedacht. Ich wollte doch nur ein schönes besinnliches Fest feiern.
Keine Angst, denn das kleine Kind von Bethlehem ist den selben Weg gegangen. Keine Angst vor den Menschen, denn selbst ein Saulus wird verwandelt werden im Lichte der Weihnacht. Keine Angst, denn wer bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet werden. Weihnachten hat Konsequenzen, aber wir stehen nicht alleine da. Der Heilige Geist wird durch uns reden. Wir können den Mächtigen der Welt furchtlos entgegentreten. Und dann können auch wir voll heiligen Geistes zum Himmel emporblicken, um das kleine Kind aus der Krippe in seiner Herrlichkeit zu schauen. Nehmt euch in Acht vor den Menschen. Sie mögen mit den Zähnen knirschen, sie mögen schreien vor Wut und sich die Ohren zuhalten. Sie mögen uns töten durch böse Worte und Verleumdung, aber die Liebe von Weihnachten können Sie nicht ersticken. Die Macht der heiligen Nacht wird siegen, weil sie göttlich ist. Das göttliche Kind hat die Finsternis und den Hass besiegt. Das ist Weihnachten. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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 Erster Feiertag (Höhle)
„Denn es war kein Platz in der Herberge"

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes ist so reich, daß wir uns nur langsam und stückweise diesem großen Mysterium nähern können. Betrachten wir heute nur eines:
Welche Behausung wählt sich Gott?
Es geht nicht nur darum, daß Jesus die Armut gewählt hat. Er zieht den armseligen Stall von Bethlehem einem Königspalast vor, aber dahinter verbirgt sich noch eine tiefere Bedeutung.
Unsere Krippen werden oft als Holzhütten dargestellt. In Wahrheit aber kam Jesus in einer Felsenhöhle zur Welt.
Die frühen Menschen suchten in Höhlen ihre Zuflucht vor klirrender Kälte und wilden Tieren. In einer Höhle hätte David seinen Erzfeind König Saul töten können, doch er tat es nicht, weil er seine Hand nicht gegen den Gesalbten des Herrn ausstrecken wollte. Gott wird in einer Höhle geboren. Nach seiner Kreuzigung liegt Jesus drei Tage in einem Höhlengrab. Die frühen Mönche und Einsiedler der Christenheit zogen sich in Höhlen zurück. Die verfolgten Christen flüchteten in die Katakomben, um in diesen höhlenartigen Gräbern der Stadt heimlich die heilige Messe zu feiern. In Lourdes wählte die Mutter Gottes eine Grotte, um der kleinen Bernadette eine Botschaft für die ganze Welt mitzuteilen.
Gott wählt die Höhle. Jeder Mensch ist so eine Höhle. Von Gott einzigartig geschaffen und geformt. Und Gott will in diesen Höhlen Mensch werden. Wie oft spricht Jesus von den Wohnungen, die er uns bereitet hat. Er will in uns wohnen.
Solange Jesus noch nicht in uns wohnt, solange bleibt es dunkel. Wenn wir aber Jesus, der das Licht ist, eintreten lassen, dann beginnen die kleinen Edelsteine in uns zu leuchten. Alles, was Gott uns als Fähigkeiten gegeben hat, wird entfaltet. Dann kommen auch andere Menschen, die Schutz und Geborgenheit suchen in eine solche Höhle. Die großen Heiligen gleichen den gewaltigen Tropfsteinhöhlen mit ihren glitzernden Wänden. Tausende von Menschen kommen und bestaunen diese Pracht. Dabei finden sie Jesus. Denn Er ist das Licht, die Heiligen spiegeln es nur wider in den verschiedensten Farben.
Alles kommt von Gott. Wenn wir Ihm nur keine Hindernisse in den Weg setzen. "Denn es war kein Platz in der Herberge." Wir sind als Höhlen von Gott geschaffen, schlicht und doch schön. Oft aber machen wir uns selbst zu einer Herberge. Lärm und Trinkgelage durchwühlen unser Innerstes. Jesus kommt vorbei, aber wir haben keinen Platz für ihn.
Die schönsten Weihnachtsgefühle und Stimmungen nützen nichts, wenn wir nicht zuvor die Höhle gereinigt haben von allem Unrat, allem Lärm. Aber egal, wo wir gerade stehen. Jetzt, heute dieses Weihnachten soll etwas besonderes sein. "Herr es war lange genug Finsternis. Jesus, von nun an, sollst nur noch Du in mir wohnen."
Wenn wir dieses Gebet sprechen, dann feiern auch wir wirklich Weihnachten. Dann kehrt wahrer Friede ein in unser Herz. "Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind." Amen.

von Pfr. Michael Roos

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 Weihnachten (Gipfelkreuz erreicht)
Christmette

 Liebe Schwestern und Brüder.

Katholiken schimpfen gerne: Jeden Sonntag komme ich in die Kirch! Und an Weihnachten kriege ich keinen Platz. Die, die man das ganze Jahr nicht sieht, die nehmen mir meinen Platz weg. Das ist engstirnig, mehr als engstirnig. Es ist eine große Freude, liebe Schwestern und Brüder, daß Sie alle gekommen sind. Diese heilige Nacht kann unser aller Leben verändern, wenn wir nur wollen. Deshalb wollen wir jetzt unser Herz bereiten und den Herrn um Vergebung bitten.
Der Glanz des Herrn umstrahlte sie“
Pfarrer resümiert die 3 Punkte der „Adventswanderung“. Das Ziel des Gipfelkreuzes ist nun erreicht. Zeigt das Kreuz: Wer war schon einmal auf einem Gipfel, hat ein echtes Gipfelkreuz gesehen? Was hast du dort in der Höhe gefühlt? (Schöner weiter Blick, Ruhe, man fühlt sich dem Himmel näher).
Nirgendwo leuchten die Sterne heller als auf dem Gipfel des Berges. Keine Lampen und Autoscheinwerfer, die den Blick auf die Schönheit des Weltalls hindern. Jeder Stern eine Sonne, größer und heller als unsere eigene. Lichtjahre entfernt. Wir sehen Sterne, die schon vor hunderten von Jahren verglühten. Eine heilige Nacht. Frieden und Ruhe erfüllt unser Herz. Die Anstrengungen der Wanderung sind vergessen. Wir sind auf dem Berg, fühlen uns Gott näher, der diese Sternenpracht erschaffen hat.
Jesus wird geboren in einer solchen Nacht. Ob Jesus auch in uns geboren wird hängt davon ab, ob wir uns vorbereitet haben. Wir können den Gipfel auch mit der Seilbahn erreichen, aber wir werden den Gipfel nie so tief erfahren, wie jene, die mitgewandert sind. Wir werden nie erleben, was die Bergsteiger zusammengeschweißt hat auf ihrem schwierigen Weg, wenn wir nicht selbst dabei waren. Das ist Gemeinde. Wir wandern gemeinsam, wir bereiten uns vor. Kommunionkinder bereiten sich ein ganzes Jahr darauf vor, Jesus in der Eucharistie zu empfangen. Gerade unter Menschen, die den Bezug zur Kirche verloren haben, zeigt sich oft Unsicherheit. „Muß ich bei der Kommunion auch nach vorne kommen?“ Die Nachfolgenden schieben einen fast aus der Bank heraus. Der Empfang der Kommunion sollte aber kein Automatismus sein, eine Formalität, die man erledigt, weil andere das auch so machen. Wer hinzutritt, hat sich persönlich für Jesus entschieden. Er hat sich vorbereitet in Buße und Gebet. Fühlt sich von Gott und der Gemeinde in die Pflicht genommen.
Egal, ob sie mitgewandert sind oder ob sie nur mal mit der Seilbahn einen Abstecher gemacht haben. Heute in dieser hochheiligen Nacht sind sie eingeladen eine Sternstunde zu erleben.Wir haben in der Dunkelheit der Nacht den Gipfel erreicht, die Sternenpracht bewundert. Da beginnt es schon zu dämmern, die Gipfel werden in glühendes Rot getaucht. Die ersten hellen Strahlen wärmen uns das Gesicht. Die gleisende Sonne umflutet uns mit ihrer Kraft. So müssen sich die Menschen damals gefühlt haben, als Jesus geboren wurde.
Auch wir können dieses helle Licht heute erfahren. Jesus, das Licht der Welt, will in uns geboren werden. Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit, durchbricht die Nacht und erhellt die Zeit. Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verläßt uns nicht. So werden wir gleich bei der Gabenbereitung singen. Egal wo wir gerade stehen, Jesus will heute in uns dieses Licht seiner Liebe entzünden. „Der Glanz des Herrn umstrahlte sie“. Gebe Gott, daß wir alle heute mit diesem Glanz des Herrn erfüllt werden, um uns als Gemeinde wieder auf den Weg zu machen. Jesus schenke uns das Licht deiner Liebe. Amen.
Schluß: Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder. Ihnen und euch allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest. Mein Weihnachtswunsch für Sie und an Sie alle: Sorgen Sie bitte dafür, daß die Meckerer unter den Katholiken in Zukunft mehr zu schimpfen haben. Nicht nur: An Weihnachten kriege ich keinen Platz mehr. Sondern: So ein Mist: jetzt muß ich jeden Sonntag eine halbe Stunde früher kommen. Die Kirche ist immer so schrecklich überfüllt wie an Weihnachten.
Fürbitten: Herr Jesus Christus, du bist unser Licht. Vertrauensvoll bitten wir dich:
Kind: Viele Menschen Leben in Dunkelheit. Befreie sie aus ihren Sorgen und Ängsten. Schenke ihnen Dein Licht. Christus höre uns.
Kind: Laß diese Nacht nicht spurlos an uns vorübergehen. Erfülle uns mit dem Licht deiner Liebe. Christus höre uns.
Erwachsener: Wenn Du in uns wohnst werden wir selber Licht. Zeige uns, wo wir für andere Menschen zum Licht in der Finsternis werden können. Christus höre uns.
Erwachsener: Im Glanz der heiligen Nacht singen die Engel: Friede auf Erden, den Menschen seiner Gnade. Schenke allen Völkern das Licht deines Friedens. Christus höre uns.
Herr unser Gott, als unscheinbares Kind kommt Jesus zu uns. Das kleine Licht aus Bethlehem soll die ganze Welt entzünden mit diesem Feuer der Liebe. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

von Pfr. Michael Roos

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Adventswanderung (zum 4. Advent) Zelt

Regte sich das Kind vor Freude in ihrem Schoß

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

Advent als eine Gebirgswanderung. Am ersten Sonntag haben wir unseren Rucksack gepackt, bzw. hinausgeworfen was uns auf dieser Wanderung hinderlich sein könnte. Weg mit der Hektik und den Zerstreuungen, hin zu Stille und Einkehr.
Laßt euch von den Sorgen des Alltags nicht verwirren, mahnte uns das Evangelium.
Am zweiten Adventssonntag haben wir uns bewußt gemacht, daß ein leichter Rucksack allein nicht genügt. Vor den steilen Felswänden müßten wir ohne Seil aufgeben. Das Seil ist die Verbindung mit Gott. Selbst die größten Hindernisse können uns nicht abschrecken, wenn wir mit diesem Seil der Gnade gesichert sind. Selbst wenn wir einmal stolpern oder ausrutschen, selbst wenn wir in die Tiefe stürzen, Gott hält uns. Bekehrt euch zum Herrn, hieß es da im Evangelium.
Heute nun kommt noch ein drittes hinzu. (Was sollen diese Zelte hier? Für was sind die gut?) Schutz vor Kälte, zum Übernachten, nach Bergtour zum Ausruhen, Erzählen von zwei Wanderen und zwei Zelten)
Beide Wanderer haben das Zelt miteinander geteilt. Was meint ihr, war das schön für beide? Warum? Im Zelt wärmer, nicht so allein, Freundschaft wird enger.
Was sollen wir also tun? Das sagte Johannes im Evangelium des 3. Sonntages: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der mache es ebenso. (Wo oder wie könnt ihr euch in dieser Adventszeit helfen, damit es schöner wird für alle? Teilen (Sternsinger), Hausarbeit, zusammen etwas unternehmen und spielen.)
Wir sind in Gott, in seiner Kirche geborgen wie in einem Zelt. Geborgen wie ein Kind im Schoß seiner Mutter. Johannes hüpft schon als Baby im Bauch seiner Mutter herum. Aus Freude. Wenn uns diese Freude noch fehlt, dann liegt es daran, dass wir oft noch gar nichts begriffen haben, von dem was unseren Glauben ausmacht. Deshalb wünsche ich mir für die Zeit der Vorbereitung auf die Firmung, dass ihr etwas von dieser Freude erfahren könnt. Dass schon jetzt in eurem Herzen etwas zu spüren ist von der Erwartung auf den Herrn. Dass diese Freude in euch wächst, und ihr am Ende sagen könnt: Ja es ist gut ein Christ zu sein. Ja ich freue mich im Herrn.
Nehmt also mit. Im Advent machen wir den Rucksack leer, wir sind mit einem Seil verbunden mit Gott und wir helfen denen die mit uns wandern. Frei von den Dingen, ausgerichtet auf Gott und untereinander in Nächstenliebe zugetan. Nur so gelingt unsere Wanderung, nur so ist das Wandern des Christen Lust. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Adventswanderung (zum 3. Advent) Seil

 Bekehrt euch

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Das Wandern ist des Christen Lust. Ein adventliches Thema. Wir haben alles hinter uns gelassen, was uns bei dieser Wanderung unnötig belasten könnte. Wir haben das Wort Jesu ernst genommen: Nehmt euch in acht, daß Rausch, Trunkenheit und die Sorgen des Alltags nicht verwirren. Die vielen Dinge, die uns abhalten vom Eigentlichen haben wir abgelegt.
Das allein genügt aber nicht. Jetzt beginnt unsere eigentliche Wanderung. Bekehrt euch. Das bedeutet, das wir heimkehren wollen zu Gott. Wir kehren uns ab von der Hektik dieser Zeit, hin zu Gott. Es ist still auf dem Bergpfad. Unsere Gedanken sind gesammelt. Jeder Schritt muß überlegt sein. Die Hitze macht uns zu schaffen, die Luft ist dünn. Aber wir steigen unermüdlich weiter, weil wir ein Ziel haben. Die Vorfreude auf den Gipfel treibt uns vorwärts. Immer steiler wird der enge Pfad. Ein vertrockneter Strauch bietet den Füßen Halt, doch schon bald stehen wir vor unüberwindlich scheinenden Felswänden. Sollen wir umkehren? Waren alle Mühen umsonst?
Ein Seil ist unsere Rettung. Wir lassen uns heraufziehen von unserem Bergführer. Zentimeter um Zentimeter. Das Hindernis ist überwunden. Eines von vielen auf unserer Adventswanderung.
Bekehrt euch. Unser Weg zu Gott ist nur möglich, wenn Gott uns seine Hilfe schenkt. Wenn Gott uns das Seil zuwirft, das uns alle Hindernisse überwinden läßt.
Liebe Schwestern und Brüder, auf einem alten Beichtstuhl stand: Kämpfe dich in die Ewigkeit. Das ist einseitig, denn es entsteht der Eindruck, als hänge alles an uns. Gott ist aber kein ferner Despot, der schmunzelnd zuschaut, wie wir uns abmühen. So wie wir vielleicht auf einen Ameisenhaufen blicken und staunen, wenn kleine Rindestücke von den Tierchen in den Bau geschleppt werden. Gott begleitet uns auf unserem Weg. Er sendet uns Jesus als Bergführer, der mit uns die Mühen der Wanderung teilt. Er hilft uns mit dem Seil der göttlichen Gnade selbst die größten Hindernisse zu bezwingen. Jesus sagt: Mein Joch ist süß und es drückt nicht.
Es gibt viele Hindernisse und Steilwände, die uns mutlos machen können. Angst vor der Zukunft. Trägheit in geistlichen Dingen. Beten bringt ja doch nichts. Sorgen des Alltags, Schwierigkeiten mit den irdischen Vertretern der Kirche. Ein Mann ging nach Jahrzehnten wieder beichten. Der Priester fragte ihn, warum er so lange mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wollte. Da erzählte er, wie er als Jugendlicher schlechte Erfahrungen mit einem Pfarrer gemacht hätte. Der Pfarrer war ihm zum Stolperstein geworden. Danach war er abgestürzt in den Abgrund der Glaubenslosigkeit, aber auch dieser Mann bekam das Seil zugeworfen. Das Seil - vielleicht eine gute Predigt, vielleicht das Beispiel eines Christen - ein Seil, das ihn wieder zurückführte zum Glauben.
Der steile Bergpfad fordert uns ganz. Bekehrt euch. Eine echte Herausforderung, aber wir sind nicht allein. Wir kehren heim zu Gott. Mit ihm sind wir verbunden. Selbst wenn wir stolpern, ja selbst wenn wir drohen in die Tiefe zu stürzen, so hält uns doch das Seil durch das wir mit ihm verbunden sind.
Advent bedeutet deshalb, daß wir nicht nur uns leer machen von unnötigen Dingen, sondern vor allem, daß wir uns zu Gott bekehren. Uns umschlingen lassen von dem Seil seiner Gnade. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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 Adventswanderung (zum 2. Advent) Das Wandern ist des Müllers Lust (Rucksack, Bibel, Gesangbuch, Gameboy...)

Rausch, Trunkenheit und die Sorgen des Alltags

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

Advent ist Vorbereitung auf die Ankunft. Jesus kommt. Er kommt als Kind in die Krippe. Er kommt wieder auf den Wolken des Himmels. Das haben wir oft genug gehört.
Das Wandern ist des Christen Lust. Das klingt zunächst einmal gar nicht adventlich. Kerzen in der Dunkelheit. Gerüche nach frischem Gebäck und Tannennadeln. Weihnachtsmärke. Weihnachtsfeiern. Weihnachtsmänner.
Das Wandern ist des Christen Lust. Was hat das damit zu tun? Mit einer vermarkteten Weihnacht hat das gar nichts zu tun, mit dem aber was für uns Christen Advent bedeutet, damit hat dieses Motto viel zu tun.
Sie sind eingeladen in diesem Advent an einer Wanderung teilzunehmen. Weihnachten kommt automatisch. Ob aber Jesus auch wirklich in uns geboren wird, das liegt mit an uns. Das liegt daran, ob wir den Advent nutzen, uns auf seine Ankunft vorzubereiten. „Und wenn Jesus tausendmal in Bethlehem geboren wäre, nicht aber in Dir, dann nützte uns alles nichts.“
Wir wandern nicht einfach drauf los, ziellos. Gott hat uns gerufen. Er begleitet uns und zeigt uns, worauf wir achten sollen. „Nehmt euch in acht, daß Rausch, Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren.“ Wir wissen, daß unser Ziel auf dem Berg liegt. Der Gipfel als Ort wo wir Gott begegnen. Wir wissen aber auch, daß der Weg nicht einfach sein wird. „Schmal und steil ist der Weg, der in die Höhe führt“, sagt Jesus, „und nur wenige gehen ihn.“ Bergsteigen bringt Gefahren mit sich, verlangst Selbstüberwindung und Mut. Zunächst müssen wir überlegen, was wir mitnehmen. 
(Aufsetzen: Bist du so bereit für deine Wanderung? Zu schwer - Wir wollen uns vorbereiten. Der Rucksack zu schwer, leichter machen. Was ist notwendig? Was nicht?)
Wir schleppen uns oft ab mit unnötigen Dingen, die uns daran hindern unbeschwert den Berg zu erklimmen. Fernsehen, Computer und viele Dinge lenken uns vom Eigentlichen ab, machen unser Herz träge. Advent bedeutet auch, den Rucksack leer zu machen von all den Ablenkungen, von all den Anhänglichkeiten, die uns lähmen.
Wenn wir leer werden von den Dingen, dann wird unsere Adventswanderung gelingen. Es geht aber nicht nur um Gameboys, Autos und Computer. Unser Rucksack ist auch gefüllt mit Steinen Mit den Steinen der Sünde und den Steinen falscher Sorgen. Auch das gehört zum Advent: sich in der Beichte die Steine herausnehmen lassen. Beichten befreit.
Wenn wir die unnötigen Lasten abgelegt haben, ist Platz für das was wirklich zählt. Das wird hilfreich sein: die Bibel und ein Katechismus als Landkarte. Die Sakramente als leiblich erfahrbare Stärkung auf der Wanderung. Die heilige Kommunion als Nahrung auf dem Weg. Wegzehrung nannte man früher die Kommunion bei jenen, die sie in der Sterbestunde empfingen. Eigentlich ist Wegzehrung auch das richtige Wort für jeden Christen, - in jeder Stunde des Lebens - denn wir alle sind auf dem Weg zu Gott.
Unsere Wanderung kann beginnen, wenn wir vorbereitet sind. Der Rucksack enthält nur das, was wir wirklich brauchen. Die Sünden der Vergangenheit, die Anhänglichkeit an Nebensächlichkeiten, die Verkrampfung in unnötigen Sorgen: all das haben wir zurückgelassen. Unbeschwert machen wir uns auf den Weg.
Das Wandern ist des Christen Lust. Das ist ganz und gar adventlich. Kerzen in der Dunkelheit. Gerüche nach frischem Gebäck und Tannennadeln. Weihnachtsmärke. Weihnachtsfeiern. Weihnachtsmänner. All das gehört mit dazu, aber das eigentliche erkennen wir nur wenn wir uns als Christen auf Wanderung begeben.
Das Wandern ist des Christen Lust. Auf einer Freizeit ist heute das Wort Wandern nicht übermäßig beliebt. Wer sich aber darauf einläßt, stellt am Ende doch fest. Es war schön, hat Spaß gemacht. Auch die Adventswanderung scheint zunächst schwierig. Wer es ausprobiert, wird aber erfahren: Ja es ist eine Lust Christ zu sein. Es ist eine Freude so auf Weihnachten zuzugehen. Bitten wir Gott, daß er uns bei der Wanderung hilft. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Gott will in uns wohnen (Allerseelen)

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Kinder.

Sie sind eingeladen. Gespannt auf die Gastgeber. Sie haben sich eigens schön angezogen. Sie fahren vor dem Haus vor, klingeln und treten ein. Sie wollen die Leute begrüßen, doch dann bleibt Ihnen das Wort im Hals stecken. Die Zimmer sind völlig leer. Keine Stühle, Tische. Nicht irgend ein Möbelstück, noch nicht einmal eine Garderobe wo sie Ihre Jacke aufhängen könnten.
Wie fühlen Sie sich wohl. Ein beklemmendes Gefühl. Sie glauben im falschen Film zu sein und verabschieden sich bald.
Ein leeres Haus ist unwohnlich und ungemütlich. Kein Stuhl auf dem ich zur Ruhe kommen kann. Kein Tisch an dem man bewirtet werden kann. Keine Bilder, die das Auge erfreuen.
(Wie sollte eine Wohnung sein, damit Gäste gerne kommen? Sich wohl fühlen?)
Das andere Extrem: ein einziges Durcheinander. Jeder Schritt muß wohlüberlegt sein, wenn auf dem Fußboden tausend Dinge herumliegen. Man bittet mich auf einem Stuhl Platz zu nehmen, aber ich traue mich nicht anzulehnen, weil über der Rückenlehne noch 2 Hosen und 4 Hemden hängen. Auf dem Tisch steht das Essen, aber mich schaudert wenn ich die Essensreste der letzten 14 Tage auf der Decke entdecke. Ein Blick in die Küche kann nur Stubenfliegen begeistern. Wir können darüber streiten, was schlimmer ist: Das Chaos der vielen Gegenstände oder die Beklemmung im leeren Haus.
Jesus spricht von Wohnungen, die Gott uns bereitet hat. Bei anderer Gelegenheit sagt er, daß wir selbst, d.h. Unsere Seele eine solche Wohnung ist: mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen Gott, Jesus will in Dir und mir wohnen. Jeder von uns ist also ein Haus. Ein Tempel des heiligen Geistes wie es an anderer Stelle heißt. David will Gott einmal ein Haus bauen, aber was ist das schon, ein Gebäude aus Steinen. Jeder Mensch kann ein Haus sein. Gott will zu uns kommen, in uns wohnen.
Natürlich gibt es in uns keine Tische und Stühle. Und Gott würde sich vermutlich auch im rechten Lungenflügel nicht allzu wohl fühlen. Gemeint ist das unsichtbare Haus unserer Seele. Da will Gott unser Gast sein. Zuerst muß das ganze Chaos heraus. Der Mißmut, Ärger, Haß. Unser Gast ist Jesus. Deshalb weg mit allem Gerümpel das sich angesammelt hat. Wenn aber das Haus unseres Herzens ganz leer ist, dann wird es Zeit, daß wir wichtige Dinge einräumen, damit unser Gast sich wohlfühlt.
Drei Dinge sollten auf jeden Fall in unser Haus:
offene Türen. Gott wohnt gerne in Menschen, die offen sind. Menschen die darauf achten, wo andere Sorgen haben. Menschen, die mitfühlen können. Menschen, die nicht nur auf sich selbst hören, sondern offen sind für die Worte anderer. Die auch bereit sind Gott aufzunehmen.
Zeit haben. Gott wohnt gerne in Menschen, die nicht in der selbstgemachten Hektik versinken. Menschen, die Ruhe finden im Gebet. Die Zeit haben für sich selbst und andere. Menschen, die das Wort: Ich habe keine Zeit“ vermeiden, weil Sie wissen: ich habe Zeit für das, was mir wichtig ist.
Freundlichkeit. Gott wohnt gerne in frohen Menschen. Menschen, die auf andere zugehen und die anderen ein Lächeln schenken. Menschen, die höflich und zurückhaltend sein können. Menschen, die ihr Haus mit dem Blumenstrauß der Freundlichkeit geschmückt haben.
Gott will in uns wohnen. Wenn wir wollen, daß Gott sich als Gast bei uns wohl fühlen kann, ist es wichtig alles Schlechte, sündige in uns zu entfernen. Die Wohnung aufräumen. Dann sollten wir das Türe unseres Seelenhauses weit öffnen, viel Zeit haben und freundliche Menschen sein, die ihr Haus mit der Liebe geschmückt haben.
Wenn Jesus nachher in der Kommunion zu uns kommt, um bei uns zu wohnen, können wir ihn bitten: Jesus hilf du mir dabei, mein Haus gemütlich einzurichten für dich. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Sie haben ihre Kleider gewaschen (Allerheiligen)

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

Wäsche waschen. (Kinder etwas erzählen lassen. Wann hast du dir das letzte Mal die Kleider so richtig schmutzig gemacht?) Wir nehmen es als selbstverständlich: die schmutzige mehr oder weniger stinkige Wäsche kommt in die Waschmaschine. Früher war das Waschen noch Knochenarbeit. In manchen Ländern der dritten Welt kann man es noch erleben. Gerade weiße Stoffe sind nicht so einfach sauber zu bekommen. Der geringste Schmutz bleibt sichtbar. Die Kleider werden eingeweicht, mit Seife abgerieben, geschlagen und geschrubbt, wieder eingeweicht, wieder geknetet und behandelt bis die Finger schmerzen. Am Ende hofft man, dass die Sonne die Wäsche bleicht und in hellem Weiß erstrahlen läßt. Waschen ist Knochenarbeit. Ein Bild für den heiligen Johannes. Ein Bild für das Leben eines Christen, der es ernst meint. Ein Bild für einen Heiligen, der seine Kleider gewaschen hat, der seine Kleider weiß gemacht hat im Blut des Lammes.
Wir denken heute an die vielen, vielen Heiligen der Kirche, deren Namen wir nicht in den Büchern finden. Wir denken an die Heiligen, die niemand kennt, weil sie unscheinbar ihr Leben als Christ geführt haben. In den Augen der Menschen waren sie unbedeutend, in den Augen Gottes aber sind es wahre Größen, Lieblinge des Herrn. Wir denken nicht an sie, weil sie im Himmel beleidigt wären, wenn sie auf der Erde nicht gefeiert würden. Wir denken an sie, damit wir selbst lernen und erfahren, dass wir auch dazu gehören können. Wir alle können Heilige sein. Nicht der Schulabschluß, nicht die Beförderung, nicht der Erfolg als Popstar dürfen unser erstes Ziel sein. Unser wichtigstes Ziel auf dieser Erde ist es eine Heilige oder ein Heiliger zu werden.
Wie aber wäschst man sein Gewand? Wie wird unsere Seele so strahlend weiß, dass wir dazugehören? Zum Waschen brauchen wir Wasser. (Wer war schon einmal bei einer Taufe dabei?) Wasser ist das äußere Zeichen bei der Taufe. Wasser fließt über den Kopf des Täuflings. Im selben Augenblick geschieht innerlich das, was wir in der Lesung gehört haben. Die Seele wird gereinigt im Blut des Lammes. Sie wird strahlend hell und rein. Nach der Taufe ist der Mensch ein Heiliger.
„Wunderbar“, könnte man sagen, „dann ist ja alles geregelt. Getauft bin ich, also gehöre ich schon zu den Heiligen.“ Das stimmt eigentlich auch. Paulus nennt alle Getauften Heilige. Er grüßt die Heiligen der Gemeinden, die er gegründet hat. Dennoch gehört mehr dazu.
Mir haben schon immer die Kinder leid getan, die von ihren Müttern piekfein angezogen werden mit dem Hinweis: „Aber mach dich bloß nicht schmutzig beim Spielen.“ Ein solches Kind wird entweder traurig in einer Ecke sitzen, oder eben doch dreckig werden. Wer als getaufter Christ das Leben wagt, ohne sich von allem ängstlich abzuschotten, der muß damit rechnen auch Fehler zu machen, schuldig zu werden. Alle sind wir Sünder, und wer sagt er ist es nicht, ist ein Lügner, sagt Paulus. Zwar versucht der Getaufte das weiße Kleid, das er bei der Taufe übergelegt bekommen hat, rein zu halten. Er wird sich nicht leichtfertig in Gefahr begeben, aber auch der Gerechte fällt sieben mal am Tag und steht wieder auf. Die Taufe ist einmalig im Leben, aber sie muß innerlich immer wieder erneuert werden. Im Gottesdienst sprechen wir das Schuldbekenntnis, in der Beichte erhalten wir sakramental die Vergebung der Sünden. Welches Geschenk, denn genau in diesem Augenblick ist es, als würde erneut das Wasser der Taufe unsere Seele reinwaschen. Als zweite Planke neben der Taufe haben deshalb die Väter das Sakrament der Buße bezeichnet.
Also gut: Waschen, d.h. Sich taufen lassen und zur Beichte gehen. Genau so ist es, aber mit Wasser allein ist es nicht getan. Das Wäschestück muß geknetet, und geschlagen werden. (Wer hat schon einmal eine Wäschetrommel von innen angefaßt?) Bei der Waschmaschine übernimmt das die Trommel mit ihren Noppen. Alles wird wild durcheinandergemixt. Bei der Handwäsche muß die Muskelkraft herhalten. Egal, wie wir waschen. Die Wäsche muß sich kneten lassen. Und auch wir müssen uns kneten lassen. Keine Angst, heilig machen wir uns nicht selbst. Heilig macht uns Gott, er knetet uns, er schleudert den Dreck aus uns heraus. Das Einzige, was wir tun müssen. Uns das gefallen lassen. Das Leben macht uns heilig, wenn wir das Waschprogramm Gottes annehmen. Das können schöne Erfahrungen sein: Ach wie herrlich duftet die Seife. Was für eine wohltuende Massage. Das können aber auch schmerzliche Erfahrungen wie Krankheit und Leid sein: Die Schicksalsschläge können hart sein, so hart, daß das Wäschestück sich fragt, ob der Wäscher es noch liebt. Aber das tut er. Gott liebt uns so sehr, dass er uns strahlend weiß wäscht. Gerade, weil er sich so viel Mühe mit jedem einzelnen Wäschestück gibt. Und wenn er uns so gekentet und gewaschen hat, dann legt er uns in die Gnadensonne göttlicher Freude, damit auch das letzte bisschen grau aus unserem Herzen verschwindet. Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwidert ihm: Du, mein Herr weißt es. Und er sprach zu mir: Das sind jene, die aus der großen Drangsal kommen; sie haben ihre Kleider gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Erntedank

Liebe Schwestern und Brüder in Christus, liebe Kinder,
Danken für die Gaben, das ist fast schon Routine geworden. Genauso, wie wir nicht mehr lange nachdenken müssen. Jemand schenkt uns etwas, wir sagen Danke. Jemand tut etwas für uns, wir bedanken uns höflich. Erntedank hat manchmal auch was floskelhaftes. Es gehört halt so dazu.
Deshalb wollen wir heute einmal Danken ganz anders betrachten. Die Kindergartenkinder habe es uns in ihrem Spiel gezeigt. Danken für die Farben des Lebens. Hinter den Farben verbirgt sich einiges. Wir lernen umfassender zu danken und wir können vielleicht auch Ökumene besser verstehen. Ein ökumenisches Erntedankfest eben.
Farben faszinieren Kinder und Erwachsene. Drei Grundfarben reichen aus, um alle anderen Farben zu mischen. Rot, die Farbe der Liebe. Blau, die Farbe der Hoffnung. Gelb, die Farbe des Lichtes. Schwarz ist keine Farbe, sondern fehlendes Licht. Weiß ist keine Farbe, sondern das Zusammenspiel aller Farben im Licht. Der Regenbogen zerlegt das Licht in seine vielen Einzelfarben.
Danken für die Farben. Danken für Dinge die wir gewöhnlich noch selbstverständlicher hinnehmen, als die reiche Ernte. Das Grün der Bäume und Pflanzen, das blaue Wasser, die aufgehende rote Sonne. Über die Farbenpracht der Natur hinaus, gibt es aber auch eine Vielfalt, die durch die Menschen entsteht.
Wir sind wie Farben. Wenn wir gerne von den Grünen, Schwarzen, Roten, Gelben sprechen, um verschiedene politische Richtungen zu bezeichnen, dann können wir auch die unterschiedlichen Konfessionen, Glaubensüberzeugungen, ja jeden einzelnen Menschen mit Farben vergleichen. Es ist gut, dass nicht alle Menschen gleich sind, sonst wäre das Leben furchtbar langweilig. Verschiedene Farben machen das bunte Bild des Ganzen aus.
Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Bild malen. Leuchtende, satte Farben sind die besten Voraussetzungen. Die Eigenheit der einzelnen Farben muss strahlen, darf nicht verblassen. Ökumene kann nur dann funktionieren, wenn Christen ihre Besonderheiten leben, ihr Charisma strahlen lassen. Leider verblasst der Glaube heute mehr und mehr. Wenn der Sonntagsgottesdienst für viele kein Thema mehr ist. Wenn die Bibel in den Regalen verstaubt. Wenn Glaube nicht mehr gelebt wird, dann hören die Farben auf zu strahlen. Ökumene beginnt also nicht damit, dass wir so tun, als gäbe es nur eine Farbe. Ökumene beginnt damit, dass wir endlich ernst machen, mit dem was wir glauben. Jesus sagt: Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. Wir können auch sagen: Lebe nach deiner Überzeugung, so dass deine Lebensfarbe leuchtet.
Ökumene besteht im Mischen dieser strahlenden Farben. Rot und Gelb schenkt uns Orange. So können Menschen voneinander lernen. Das Interesse an der anderen Farbe, bringt neue Erkenntnisse, bereichert ein Bild. Ökumene funktioniert aber nur dann, wenn dieses Mischen geordnet geschieht. Ein Maler wird kaum einen dicken Pinsel nehmen und alle Farben seiner Palette durcheinander Mixen. Die einzelnen Farben müssen vorher angeschaut werden. Ich muss wissen, wie der andere denkt, versuchen ihn zu verstehen. Ich muss nicht seine Farbe annehmen, aber ich kann heraussuchen, was zur eigenen Farbe passt, dadurch entsteht etwas Neues. Als Kind habe ich mit Ölfarben abstrakte Bilder gemalt. Farbklekse ergeben aber noch kein Kunstwerk. Erst wenn jede Farbe nach dem Willen des Künstlers geordnet wird, dann ensteht das große Ganze.
Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Jesus ist das Licht! Und wir sind Kinder des Lichtes! Farben eben. Im Himmel werden wir eins im Licht. Die Vielfalt der Farben ist im letzten nichts anderes, als die strahlende Liebe Gottes.
Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Finsternis bedeutet die Abwesenheit von Licht, die Abwesenheit von Farbe. Der Unglaube und die Gottvergessenheit vieler Menschen stürzt sie in innere Verzweiflung. Nach aussen scheint alles in Ordnung. Doch der beste Farbfernseher kann die innere Leere und farblose Finsternis nicht übertünchen. Schwarz ist Ausdruck der Trauer, weil alle Farbe der Freude verschwunden ist.
Danken für die Farben des Lebens. Darin ist alles enthalten, denn wir danken nur für eines: das Licht der Welt. Je mehr wir dieses Licht in unser Herz kommen lassen, umso mehr werden unsere Farben erstrahlen. Das Licht vertreibt die Dunkelheit der Gleichgültigkeit. Dieses Licht wird auch die Einheit bewirken, wenn wir uns die Mühe machen, die Sorgfalt eines Malers walten zu lassen. Amen. 

von Pfr. Michael Roos

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Nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen

Liebe Schwestern und Brüder,
Auf Elternabenden in Schulen und Kindergarten, in Kirchengemeinden, in der Politik. Wir treffen heute mehr als früher auf Menschen, die nur noch fordern können. Dahinter steckt der Wunsch, das Beste für mein Kind und für mich selbst herauszuholen. So, wie die Jünger damals Jesus auffordern, die besten Plätze im Himmel zu reservieren, so sorgen sich viele Menschen ängstlich um ihr Wohlergehen.
Dabei haben sie ganz genaue Vorstellungen, wie andere Menschen zu funktionieren haben. Wenn es dann nicht so läuft, wie sie sich das gedacht haben, dann gehen sie auf die Barrikaden, stiften Unruhe, ohne zu merken, dass sie damit mehr zerstören, als ihr ursprünglicher Wunsch hätte gutes bewirken können. Oft sind die Forderungen anderen gegenüber übertrieben, zumindest im Vergleich zu dem, was man bereit ist, sich selbst abzufordern. Wenn evangelische Christen ihre Kirche so gut wie nie betreten, wundert es, wie sie dann fordern können, dass der katholische Pfarrer evangelischer sein soll, als sie selbst.
Oft verbergen sich hinter solchen Forderungen die Angst sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Vorwände werden gesucht, um die eigene Faulheit zu rechtfertigen. Wer viel fordert und kritisiert lenkt von seiner eigenen Unfähigkeit ab, kann in dem abfälligen Reden über andere schwelgen, wird selbst von Forderungen verschont. Oft sind gerade diejenigen, die in einer Sitzung große Töne gespuckt haben, dann sehr ruhig, wenn es an das Verteilen von Arbeit geht.
Dienen statt fordern. Das ist das Motto des heutigen Evangeliums. Und wir können heute am Erntedanksonntag hinzufügen: Danken statt fordern. Denn Danken ist die erste Form des Dienens. Dabei beschränkt es sich nicht auf die Floskel Dankeschön, sondern danken ist eine Grundhaltung, die wir anderen Menschen entgegenbringen sollen.
Wann haben Sie das letzemal gedankt? Oft sind es bestimmte Dinge, die uns danken lassen. Jemand hilft mir und ich bedanke mich. Jemand schenkt mir etwas, ich sage Danke. Aber wann haben wir das letztemal dafür gedankt, dass andere einfach da sind. Wann danken Kinder ihren Müttern. Am Muttertag? Wo aber bleibt die dankbare Haltung die restlichen 364 Tage im Jahr. Das Danke besteht weniger in Worten, als einem dankbaren Umgang miteinander. „Das will ich aber nicht!“ „Das schmeckt mir nicht!“ „Mama, jetzt hilf mir endlich mal!“ „Wieso hast du meine Hausaufgaben noch nicht gemacht?“ Das Fordern steht der Haltung der Dankbarkeit entgegen. Wenn hingegen Kinder, - und natürlich auch Erwachsene-, weniger danach fragen, was sie selbst bekommen müssten, wenn sie weniger Angst haben vernachlässigt zu werden, wenn sie sich weniger beklagen, sondern bereit sind zu helfen und zu dienen, dann wird auch eine Mutter spüren, dass ihre Arbeit geschätzt und mitgetragen wird.
Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist? Menschen, die sehr fordernd sind, solchen Menschen gehe ich lieber aus dem Weg. Im Kindergarten oder in der Schule: wer sich lautstark und schreiend meldet, weil er dran genommen werden will, wird von mir nicht beachtet. Wer am lautesten schreit, ist nicht immer der Bedürftigste. Wer seinen Mitmenschen fordernd begegnet, wird am Ende gar nichts bekommen. Die Ersten werden die Letzten sein.
Weder die Mitmenschen, noch Gott sind dafür da meine Wünsche zu befriedigen. Wer so mit Gott und den Menschen umgeht, der hat noch nichts von dem ureigenen Geheimnis der Liebe verstanden. Dienen statt fordern. Danken statt fordern. Danken wir Gott nicht nur für die Ernte, danken wir ihm für alles was wir sind. Lernen wir wieder die Grundhaltung der Dankbarkeit, die uns im Überfluß des Reichtums verlorenen gegangen ist. Ich bin nicht gekommen, um mir dienen zu lassen, sondern um zu dienen. Kommen auch wir als dankbare Diener Jesu Christi. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Eines fehlt dir noch

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,
Stellen Sie sich vor: Jesus würde heute unter uns leben. Sie haben selbst gesehen wie er Wunder wirkt, mit welch herzlicher Güte er den Kranken und Armen begegnet. Sie sind eigens in den Odenwald gefahren, dort haben Sie seine Worte der Bergpredigt aufgesogen. Kommt her ihr, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Hier ist einer der mit Vollmacht predigt, anders als der Kaplan oder Pfarrer. Sie sind Jesus nachgereist. In Frankfurt haben Menschenmassen ihn umjubelt. Und jetzt kommt er nach Westhofen/Dittelsheim-Hessloch. Endlich. Die Gelegenheit Jesus einmal anzusprechen.
Ein Empfang nach dem Gottesdienst. Der Pfarrer holt sich gerade ein Stück Kuchen und Sie nutzen die Gelegenheit. „Was soll ich tun, um ein erfülltes Leben zu führen?“ Sie erwarten eine besondere Antwort, etwas Außergewöhnliches, aber Jesus sagt das selbe was sie aus langweiligen Predigten schon zu genüge kennen. „Halte die Gebote!“
Sie lassen sich ihre Enttäuschung nicht anmerken. „Von Kindheit an gehe ich jeden Sonntag in die Kirche, ich bemühe mich gut zu sein, werfe nur Silbergeld in den Klingelbeutel und bin auch sonst ein anständiger Mensch.“ Jesus lächelt. „Eines fehlt dir noch.“ Verkaufe Dein Farbfernsehgerät, überweise die 500 Euro an Missio und dann kümmere dich mehr um deine Familie, ziehe dich öfter zurück zum Gebet und du wirst einen Schatz im Himmel haben.
Das hat gesessen. Verschämt lächelnd, mit einer Floskel auf den Lippen wie: Man kann alles übertreiben, ziehen Sie sich zurück. Zum Glück kommt gerade der Pfarrer mit dem Kuchen. Sie sind bedrückt. Sie haben nach erfülltem Leben gefragt, aber jetzt fühlen Sie sich leer.
Wir alle haben unsere Schätze: Das Fußballtunier, das wichtiger ist als der Sonntagsgottesdienst. Das Auto, dem wir unsere ganze Liebe schenken. Der Beruf und die Karriere, denen wir die Familie zum Opfer bringen.
Es ist nicht notwendig, alles zu verkaufen, aber wir können überlegen: Was wäre wenn mich Jesus fragen würde? Hänge ich mein Herz an Äußerlichkeiten, oder kann ich die Dinge gebrauchen als gebrauchte ich sie nicht, wie der hl. Paulus sagt.
Nur wenn wir die Dinge beherrschen, sind wir glücklich. Wenn die Dinge uns beherrschen geraten wir in Abhängigkeit und Unzufriedenheit. Das gilt nicht nur von Drogen, sondern von allem was nicht Gott ist.
Warum nennst du mich gut? Fragt Jesus den jungen Mann. Dahinter steckt: Hast du wirklich verstanden, wer ich bin? Wenn du mich gut nennst, dann heißt das: Du hälst mich für Gott, denn nur einer ist gut: Gott. Hast du das wirklich verstanden? Ein Mensch darf nicht solche Forderungen stellen: Verkaufe alles, was du hast und folge mir nach. Weil ich aber Gott bin, weil ich dich liebe und erwählt habe rufe ich dich in ganz besonderer Weise. Das scheint zunächst hart, fordert Verzicht, aber wenn du alles verlassen hast, dann wirst du frei und glücklich. Die Dinge wirst du hundertfach schon in dieser Welt empfangen. Du kannst locker damit umgehen, denn du weißt, daß es nur endliche Güter sind.
Christliche Erziehung ist deshalb immer Erziehung zu freiwilligem Opfer und Verzicht. Etwas essen, auch wenn es nicht mein Lieblingsessen ist. Warum? Weil diese Selbstüberwindung mich innerlich frei macht für Gott. Auf Süßigkeiten und sinnloses Spielzeug verzichten. Kinder, die alles bekommen, was ihnen gerade in den Sinn kommt, werden als Erwachsene meist Egoisten sein.
Die Liebe zu Gott und zum Nächsten fordert freiwilligen Verzicht. Früher wurde das sogenannte Freitagsopfer auf das Fischessen beschränkt. Nun ist Fisch heute eine Delikatesse. Deshalb kann sich jeder Christ selbst überlegen, was für ihn ein echter Verzicht ist. Das kann auch der Fernsehkonsum sein. Gerade das Freitagsopfer kann uns wieder mehr bewußt machen, um was es im heutigen Evangelium geht. Ein erfülltes Leben mit Gott ist nur möglich, wenn ich innerlich frei bin. Damit diese Freiheit nicht nur theoretisch ist, nach dem Motto: Fernseh verkaufen! Das wäre kein Problem für mich. Ich brauche den Kasten nicht. Damit wir also nicht nur theoretisch verzichten, ist es gut auch von Zeit zu Zeit und sei es nur am Freitag mit unserem Verzicht auch in der Praxis ernst zu machen. Vielleicht können wir das aus diesem Gottesdienst mitnehmen: mit kleinen Schritten freitags der großen Freiheit entgegengehen: Verkaufe alles was du hast, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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„Er wird von Gott berufen“

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
In einem Vorbereitungsheft für Meßdiener heißt es: der Ministrant hilft bei den Gottesdiensten im Auftrag der Gemeinde. In katholischen Gemeinden der Schweiz ist es auf grund von Konkordaten schon länger üblich, daß die Gemeinde darüber abstimmen kann, ob sie den eingesetzten Pfarrer annimmt. Bei evangelischen Christen wird der Pfarrer von der Kirchengemeinde gewählt.
Warum auch nicht? So denken viele spontan. Was in der Politik gilt, muß doch auch in der Kirche funktionieren. Die Basis soll bestimmen, wo es lang geht. Priester als Beauftragte der Gemeinde.
Das war nie die Lehre Jesu Christi. Jeder, der einen Dienst ausübt angefangen vom Ministranten, Lektor, Kommunionhelfer und Pfarrer bis hin zum Bischof. Sie alle sind von Gott berufen. Ihr Amt oder ihr Auftrag kommt nicht von Menschen, sondern durch die Hierarchie der Kirche von Gott selbst. „Keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde“ heißt es heute im Hebräerbrief. Jeder Dienst in der Kirche ist eng mit der Sendung durch Gott verbunden.
Haarspalterei, werden manche vielleicht sagen. Dennoch ist diese Frage zentral für unser Verständnis von Glauben und Kirche. Wer von Gott berufen ist, der muß sich auch vor Gott verantworten. Es ist nicht entscheidend, ob ein Priester es allen Menschen recht macht, jedem nach dem Mund redet, um möglichst wenig anzuecken. Gott hat ihn erwählt, deshalb muß das Erste sein, den Willen Gottes zu erfüllen. Die ganze Wahrheit verkünden, und nicht nur das, was die Mehrheit gerne hört.
Woran soll sich der Berufene aber orientieren? An der Offenbarung Gottes. Nicht die eigene Meinung, nicht die politische Auffassung, nicht theologische Spekulationen, nicht exegetische Spitzfindigkeiten. Jeder Christ hat das Recht das Wort Gottes in seiner Fülle verkündet zu bekommen. Die Offenbarung Gottes. Die großen Heilsgeheimnisse des Todes und der Auferstehung Christi. Das Wesen des mystischen Leibes Christi, seiner Kirche. Die Grundlagen christlichen Lebens in der Moral. Wer von Gott in einen kirchlichen Dienst berufen ist, tritt in die Fußstapfen Aarons, Melchisedechs und der Propheten. Er dient als Sprachrohr Gottes.
Man kann sicher geteilter Meinung sein zu der Verlautbarung Dominus Jesus aus Rom. Selbst unser Bischof bemängelt Stil und Zeitpunkt einer solchen Veröffentlichung. Aber die große Aufregung darüber ist ja nicht nur Folge von Formfehlern, sondern es geht auch hier um Inhalte, um das Selbstverständnis der Kirche. Da wird nichts Neues gesagt, nur in Erinnerung gerufen, was schon immer zur überlieferten Lehre der Apostel gehörte. Die katholische Kirche ist nicht eine Kirche unter vielen, sondern in ihr findet sich die Fülle der Wahrheit. Auch heute noch wirkt der Geist Gottes in ihr, bewahrt sie vor Irrtum in Glaubens- und Sittenfragen. Ein Absolutheitsanspruch, der gerade evangelischen Christen fremd ist. Es ist wichtig sich damit auseinanderzusetzen, um vielleicht auch falsche Ansätze von Ökumene zu korrigieren.
Ökumene besteht nicht darin, alles Trennende einfach unter den Tisch zu kehren. Bischof Lehmann bittet hier um einen Neuanfang. Zur Ökumene gehört auch, den Andersdenkenden so ernst zu nehmen wie er ist. Das fängt beim Verständnis von Ökumene an. Für evangelische Christen überhaupt kein Problem: da gibt es so viele Auffassungen und Glaubensrichtungen. Ein Lehramt gibt es nicht, verbindliche Lehraussagen kaum. Ökumene ist unter evangelischen Christen einer nebeneinander Bestehen der unterschiedlichsten Glaubensrichtungen. Wenn wir als Katholiken von Ökumene sprechen geht es uns aber um die Einheit aller Christen. Diese Einheit kann nicht gemacht werden. Wir können nicht auf Grundsätze verzichten, die Gott selbst offenbart hat. Ökumene ist das Bemühen durch Gespräche, gemeinsame Aktionen und Gebet einander näher zu kommen. Vor 50 Jahren gab es noch regelrechte Feindschaften von beiden Seiten. Es wurde viel erreicht. Ob es sich nur um Gleichmacherei, oder um wirkliches Ernst nehmen der verschiedenen Auffassungen ging, zeigt sich gerade im Umgang mit dem Absolutheitsanspruch der katholischen Kirche. Ein evangelischer Christ muß das ablehnen, aber er wird sich im Geist echter Ökumene damit auseinandersetzen können, ohne den Katholiken als intolerant abzustempeln.
Er wird von Gott berufen. Unser Kirchenverständnis geht von der Sendung Gottes aus. Gott sendet seinen Sohn. Jesus beruft die Apostel. Durch Handauflegung geht diese Sendung nach dem Willen Christi weiter. Jeder Bischof, Priester und Diakon wurde so von Gott berufen und beauftragt mit göttlicher Vollmacht zu predigen und die Sakramente zu spenden. Beauftragt von der Gemeinde? Nein! Beauftragt von Gott für die Gemeinde. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Er redete richtig

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
Wer taubstumm geboren wurde, hat alles, was er zum sprechen braucht: Stimmbänder, Kehlkopf, Zunge. Wer aber nicht hören kann, kann niemals richtig sprechen lernen. Der Taubstumme bringt nur lallende Laute heraus, die niemand versteht.
Auch wir sind taubstumm geboren. Nicht ohne Grund vollzieht der Priester bei der Taufe genau das: Effata- Öffne dich, sagt er und berüht beim Täufling Mund und Ohren. Manchmal fängt das kleine Kind dann besonders laut zu brüllen an, auch wenn es nicht so gemeint war. Denn das Kind ist ja nicht wirklich taubstumm. Es geht um ein anderes Taubstummsein. Es geht darum, dass wir vor Gott taubstumm waren. Im Effata-Ritus heilt uns Gott von dieser Taubstummheit. Wir sollen als mündige Christen, das Evangelium mit unserem Mund bekennen, das wir zuvor gehört haben.
Er redete richtig. Trotz dieser Heilung liegt es aber an uns, ob wir richtig reden wollen oder nicht. Das Sakrament der Taufe macht uns zu Gotteskindern, aber ob die Gnade des Sakramentes in uns wirken kann, hängt auch von uns ab. Manche Menschen haben ihre Herzen noch mehr verhärtet als der Pharao in Ägypten. Solche Steinherzen werden nie etwas von der liebenden Gnade Gottes aufnehmen können. Jesus nennt sie Heuchler und Schlangenbrut.
Worin besteht die Taubstummheit des Herzens? Die Lesung zeigt, dass das wir Menschen gerne nach dem Äußeren urteilen, ob einer reich oder arm ist. Wir hören nicht richtig hin, wir sind taub für das Gute und lüstern nach dem Bösen. Kein Wunder, dass uns das Wohlwollen - die Liebe -zum Nächsten fehlt.
Viele Menschen wenden sich von einer Kirche ab mit der Begründung: Schau sie dir doch an die Kirchgänger. Kein Deut besser als die anderen. Kaum kommen sie aus dem Gotteshaus, schon fallen sie übereinander mit Wort her.
Das ist keine Rechtfertigung der Kirche den Rücken zu kehren, aber etwas Wahres ist dabei. So manche die sich Christen nennen, sind taubstumm. Sie hören nicht auf das Wort Gottes, die Liebe des Herrn ergreift sie nicht und anschließend gehen sie hinaus und lallen Dinge, die in den Ohren Gottes ein Greuel sind. Urteilt nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet, sagt Jesus.
Jesus wurde als Fresser und Säufer bezeichnet, die Pharisäer warfen ihm vor, dass er sich mit Sündern und Zöllnern abgab. Einem Christ, der sich wirklich auf die Liebe Gottes einlässt, wird es genau so ergehen wie Jesus.
Das ist schon eine Grunderfahrung die der Psalmist schildert.
Psalm 140
Die ungeheilte Taubstummheit unserer Tage ist heute das Hauptproblem unserer ach so unglücklich jammernden Kirche in Deutschland. Hoffen wir darauf, dass Jesus diese Menschen zur Seite nimmt, ihre Lippen und Ohren berührt und ruft: Effata- Öffne dich. Damit ein neuer Geist der Offenheit und Liebe einzieht in unsere Gotteshäuser. Ein Sprechen, das dann von allen Menschen guten Willens verstanden werden kann. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Die Weisheit von oben ist schlicht, friedlich, freundlich, macht keine Unterschiede, heuchelt nicht.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
Jesus stellt ein Kind in die Mitte. Das muß man sich mal vorstellen. Die Jünger streiten, wer der Größte ist. Die Erwachsenen halten sich für äußerst wichtig. Und Jesus? Er kümmert sich gar nicht darum. Er nimmt ein Kind auf den Schoß. Er tut genau das, was er zuvor sagt: Wer der Erste sein will, soll der Letzte sein. Wer ist der Größte? Dieses Kind, denn es ist frei von Eifersucht, Herrschsucht und Berechnung. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Bei den Aposteln hat es angefangen. In der Urgemeinde kennt es auch der heilige Jakobus. Und ob es in der Gemeinde von Westhofen/Ditt-Hessloch anders ist? Deshalb gelten die Worte aus der Lesung auch uns: Wo Eifersucht und Ehrgeiz herrschen, da gibt es Unruhe und jede Art von Schlechtigkeit.
Das Leben könnte so schön sein. Das Leben in der Kirchengemeinde könnte so schön sein, voller Harmonie und Frieden, wenn die Leute sich nicht so furchtbar wichtig nehmen würden. Eine mäkelnde Erwartungshaltung. Das ist ja wohl unser gutes Recht. Die anderen haben gefälligst für mich da zu sein. Woher kommen die Kriege bei euch, woher die Streitigkeiten? Vom Kampf der Leidenschaften in eurem Körper. Ihr begehrt und erhaltet doch nicht. Ihr streitet und führt Krieg. Ihr erhaltet nichts.
Die Eifersucht und der Ehrgeiz ist die furchtbarste Krankheit, die einen Menschen befallen kann. Er ist wie ein Baum, dessen Wurzeln kein Erdreich haben. Es gibt Sünden, die Menschen aus Schwachheit begehen. Der Fresssüchtige hat wenigstens ein gutes Essen gehabt, auch wenn er hinterher Bauchweh hat. Der Eifersüchtige hat nichts. Wie ein innerer Wurm nagt die Wut in ihm. Er sündigt und erhält nichts. Die Eifersucht ist der Liebe entgegengesetzt. Ich kann mich nicht über das Glück des anderen freuen, weil ich ihn nicht liebe, ihm nicht wohlwill.
Der Eifersüchtige wird das nicht zugeben. Er führt tausend Gründe auf, warum der andere unmöglich ist. Er sucht nach tausend Gründen, den anderen zu verachten. Bedenklich, dass die Eifersucht heute nicht nur einzelne erfasst, sondern unsere ganze Gesellschaft ist von Ressentiments behaftet. Wer aus dem Rahmen fällt, wird von der Gesellschaft geächtet. Das fängt in der Schule an, wo fleissige Schüler als Streber stigmatisiert werden und hört in der Politik auf, wo Menschen nur darauf lauern, dass die da oben einen Fehler machen.
Die letzte Wurzel dieser Skandallüsternheit, von der unsere Medien profitieren, ist die Eifersucht, das Ressentiment. Sie können es nicht ertragen, dass es Menschen gibt, die Erfolg haben.
Wer in seinem Leben feststellt, dass er hauptsächlich mit den Fehlern oder angeblichen Fehlern anderer beschäftigt ist, sollte sich fragen, ob er nicht ein ernstes Problem hat, ein Problem mit sich selbst. Die innere Unzufriedenheit macht ihn unfähig, das Gute zu entdecken, sich am Leben zu freuen wie ein Kind.
Wo Frieden herrscht, wird von den Friedfertigen die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut. Das wünsche ich mir für unsere Kirchengemeinden in Deutschland. Wenigstens im Hause Gottes, wenigstens in der Kirche Jesu Christi soll es nicht so sein, dass Menschen groß sein wollen. Hier darf jeder sein wie ein Kind vor dem Herrn. Egal ob Bundeskanzler oder Hausfrau. Jeder Mensch ist ein Kind vor Gott. Und wenn wir das Vater unser nachher zusammen beten, dann sollten wir das wieder verinnerlichen. Die Weisheit von ist ist vor allem schlicht, sie ist friedlich, freundlich, gelehrig, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie macht keine Unterschiede und heuchelt nicht. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Eure Kleider werden von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber verrostet.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Kinder,
Eine riesige Aufregung im Pfarrhaus von Westhofen. Ich stehe morgens früh auf, will mein Unterhemd herausholen. Und da sehe ich auch schon die Bescherung. Viele kleine Löcher, ein großes Loch in meinem Hemd. Nachdem ich die erste Schreiattacke überwunden habe, untersuche ich meinen Schrank genauer. Da sitzt sie die Übeltäterin. Auf einer Hose schmatzt sie vergnüglich an den letzten Resten ihres Mahles. Der blaue Faden meines Hemdes hängt ihr noch seitlich aus dem Maul heraus.
Eure Kleider werden von Motten zerfressen. Als ich das gelesen habe, war klar, warum Gott die Mottenplage im Pfarrhaus zugelassen hat. Wir alle sind Reiche. Wir alle sollen weinen und klagen, deswegen, sagt der heilige Jakobus, denn unser Reichtum verfault. Was wir alle so wichtig finden, wird bedeutungslos. Ja selbst unser Gold und Silber verrostet.
Aber ist es nicht gerade die Kirche die Reichtümer anhäuft? Sind nicht die herrlich geschmückten Gotteshäuser ein Beispiel für Verschwendung? Gehören nicht gerade wir Christen zu denen, die in den letzten Tagen Schätze sammeln?
Wir haben einen Kelch restauriert, (zeigen) jetzt erstrahlt er in feinstem Gold. Ist das vielleicht auch etwas Schlechtes?
Es ist interessant, dass gerade in unserer Zeit, in der die meisten Menschen auf ihre eigenen Reichtümer und Vergnügungen fixiert sind, dass gerade wir die Pracht unserer Kirchen meinen kritisieren zu müssen. Denn in der Kirche geht es bei allem Gold letztlich nicht um das weltliche Schwelgen in Reichtümern. Das Beste ist nicht gut genug, wenn wir Gott die Ehre geben. Wir feiern die heilige Messe nicht mit gewöhnlichen Plastikbechern, denn diese Gefäße sind heilig, weil sie das Heiligste aufnehmen, was wir geschenkt bekommen haben: den Leib und das Blut Jesu Christi. Unsere Kirchen sind nicht schmucklose Versammlungsräume, sondern Kunstwerke zur Ehre Gottes. Wer hier gerne den Dienst am Armen ausspielen will gegen den Gottesdienst, der hat noch nicht begriffen, dass es nur eine Liebe gibt. Wie Judas, muss er sich fragen lassen, ob er das sagt, weil ihm die Armen am Herzen liegen, oder weil er letztlich selbst ein Mensch ist, der habgierig versucht möglichst viel in diesem Leben zusammen zu raffen. Deshalb hat es in der Kirche immer beides gegeben, Caritas gegenüber den Armen und die Ausschmückung unserer Gotteshäuser.
Natürlich wird auch dieses Gold am Kelch einmal vergehen, aber was bleibt, ist die Freude an Gott. Es ist nicht egal, ob wir mit ausgelatschten Schlappen und verwaschenen Jeans den Gottesdienst mitfeiern. Auch unser Äußeres soll zu dem passen, was wir hier tun. Wir ehren den König der Könige. Natürlich kann die sonntägliche Kleidershow auch vom Eigentlichen ablenken. Wenn wir uns aber schön machen für Jesus und nicht nur protzen wollen, dann ist schon das Gebet. Wir sollen uns schmücken wie der Kelch. Unser Gesicht soll strahlen wie das Gold, und unsere Herzen sollen mit den Edelsteinen der Güte geziert sein.
Doch der schönste Kelch nützt nichts, wenn er nicht richtig funktioniert. (Fuß) Lieber ein schmuckloser Kelch, der nicht umfallen kann, als ein verziertes wackliges Ding. Wir bewahren darin das Kostbarste, was es gibt. Eine Katastrophe, wenn wir es umstossen würden.
Auch wir müssen standfest sein. Als Abiturient war ich auf einer Tagung der Deutschen Studienstiftung. Sonntag morgen war Programm angesetzt. Ich bin trotzdem erst zum Gottesdienst gegangen. Es ärgert mich, wenn heute ganz selbstverständlich der Sonntagsgottesdienst keine Rolle mehr spielt. Ich warte auf Schüler und Erwachsene, die ihr Recht einfordern. Vielleicht wird man mich dann auslachen oder für verbohrt halten. Wenn mir der Sonntagsgottesdienst nur dann etwas bedeutet, wenn ich nichts anderes vorhabe oder keine Schwierigkeiten da sind, dann bedeutet mir das Ganze zu wenig. Ein Kelch ohne Fuß. Ein Christ ohne Standfestigkeit. Welch ein Jammer, ihr armen Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird!
Nehmen wir nur das mit. Wir sollen äußere und innere Werte in uns vereinen. Seien wir standhaft und schön, wie dieser Kelch, damit auch wir in der Kommunion würdige Gefäße für unseren Heiland werden. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Was Gott verbunden hat

Liebe Schwestern und Brüder in Christus, liebe Kinder!
Am letzten Mittwoch fragte ich die Kinder, was sie sich von Gott wünschen. Die meisten baten Gott um Schnee. Auch wenn es am Tag darauf nicht geschneit hat, die Skisaison rückt näher. (Wer ist von euch schon einmal Ski gefahren? Auf was kommt es da an?) Wer sich an den steilen Hängen der Alpen nicht gleich alle Knochen brechen will, der braucht nicht nur anständige Kleider und Skier, sondern vor allem eine funktionstüchtige Bindung. (Was ist das?)
Eine gute Bindung zwischen Skischuh und den Brettern ist fest. Selbst bei den schönsten Sprüngen, beim wildesten Slalom darf sie sich nicht lösen. Ob Tiefschnee oder vereiste Piste, die Bindung muss halten.
Eine gute Bindung muss sich aber auch sofort lösen können, wenn etwas falsch ist. Wenn der Skifahrer stürzt, muss die Bindung sofort aufgehen, damit er sich nicht schwer verletzt.
Im richtigen Leben ist es ganz genau so. Das Problem unserer Tage ist, dass es kaum Menschen gibt, die annähernd zu gut sind, wie moderne Skibindungen. Egal ob in der Ehe, im Beruf, in Freundschaften, in Vereinen und vor allem in der Kirche. Die Menschen möchten sich heute nicht mehr binden. Kurzzeitige Aktivitäten und Projekte ja, aber sich für längere Zeit in eine Gruppe verbindlich einbringen? Für ein Leben lang dem geliebten Menschen die Treue versprechen? Das alles fällt uns heute schwerer, als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Kein Wunder, dass in vielen Pfarreien, mühsam Helfer gesucht werden, die vor der Bindung nicht zurückschrecken. Im November werden neue Pfarrgemeinderäte gewählt, doch auch hier lässt die Begeisterung zur Bindung für 4 Jahre auf sich warten.
Es gibt Menschen, die das nicht weiter bedauern. Die Ungebundenheit unserer Tage habe doch auch etwas Befreiendes, man könne tun und lassen, was einem wirklich Spass mache. Weg mit den Engheiten. Leider übersehen, diese Menschen, dass das nur vordergründig stimmt. Denn dort, wo alles unverbindlich bleibt, wird Freundschaft eben nur oberflächlich bleiben. Dort, wo Menschen zwanglos zusammen etwas erreichen wollen, bleibt das gemeinsame Ziel auf der Strecke, wenn alles unverbindlich bleibt. Ohne Bindung kommen wir nicht aus, nicht nur beim Skifahren. Spontanität hat auch seine schönen Seiten, aber wer einen guten Freund nur mit Überraschungsbesuchen beehrt, weil er nicht in der Lage ist, verbindliche Absprachen zu regelmässigen Treffen zu vereinbahren, der zeigt damit, dass ihm die Freundschaft nicht übermässig viel bedeuten kann. Denn echte Freundschaft kommt ohne Bindung nicht aus.
Der moderne Mensch aber hat nicht nur seine Bindungsfähigkeit verloren, sondern er hat auch das Gespür dafür verloren, wann eine Bindung gut und notwendig ist und wann sie falsch und schädlich ist. Genauso wie die Skibindung aufgehen muß, wenn der Sturz kommt, genauso muß der Mensch erkennen, aus welchen falschen Bindungen er sich lösen muss. Die grundsätzliche Bindungsunfähigkeit geht einher mit einer neuen Abhängigkeit. Denken Sie nur an den Anstieg der Suchtkranken von Alkohol und Drogen. Die Angst vor der Bindung in Ehe und Familie führt dazu, dass sich viele Menschen in immer neue Beziehungen stürzen. Die Sexualität wird missbraucht und macht Menschen zu Sklaven ihres eigenen Triebes. Mit Liebe, Hingabe und echter Bindung hat das nichts mehr zu tun. Ein Trauerspiel. Sich von diesen falschen Bindungen zu lösen ist notwendig, wenn man den Sturz in das Unglück vermeiden will.
Die Erfindung des Wochenendes mit seinen neuen Abhängigkeiten in Sport und Freizeitveranstaltungen gehört auch dazu. Wann kommen wir wieder zur Ruhe, zum Gebet zu Gott? Wann verstehen wir endlich wieder, dass die Bindung an Gott auch verlangt, dass wir den ersten Tag der Woche wieder verbindlich mitfeiern. Wann lösen wir endlich unsere Wochenendterminpläne auf, damit der Sonntag mit Gottesdienst und Ruhe in unseren Familien wieder einziehen kann.
Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen. Die Skisaison beginnt, und viele Menschen vertrauen auf die Qualität ihrer Bindungen. Gebe Gott, dass auch wir wieder lernen uns zu binden nach Gottes Willen, indem wir alle falschen Bindungen lösen und uns vom Guten im rechten Masse einbinden lassen. Amen.
Eure Kleider werden von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber verrostet.

von Pfr. Michael Roos

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Er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,
Am Ende eines Schulhalbjahres fiebert nur ein Gedanke durch die Köpfe von Schülern und Lehrern. Die Zeugnisse, Noten müssen gemacht werden. Aber auch am Anfang eines Schuljahres gibt es etwas Vergleichbares. Zu Beginn sind die Schüler vor allem mit ihrem neuen Stundenplan beschäftigt. Das kann besonders in den höheren Klassen ganz schön anstrengend sein. In der zweiten Stunde habe ich Biologie im Raum 304. Bis man seinen Stundenplan so richtig kennt, ohne ständig nachschauen zu müssen, das kann schon ein paar Wochen dauern.
Ein Stundenplan in der Schule regelt alles. Gibt es bei Gott auch so einen Plan? Hängt im Himmel ein riesiges schwarzes Brett, wo der Plan für jeden Menschen festgelegt ist. Name: Michael Roos, 1. Lebensjahr Krabbelstunden in Viernheim. 19. Lebensjahr: Abitur, anschl. Zivildienst in Heidelberg usw. Hat Gott einen solchen Plan? Und müssen wir hier nur herausfinden was da drauf steht, damit alles so klappt, wie Gott sich das vorgestellt hat?
Wenn sich ein Single auf Partnersuche begibt, gibt es dann auf dieser Welt die eine Richtige Braut für ihn, oder sind es letztlich Zufälligkeiten, daß jemand gerade diese Frau heiratet? Und wenn jemand sich für das Kloster entscheidet, tut er das, weil er sich das selbst herausgesucht hat oder weil Gott ihn dazu beruft?
Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen? Auch wenn im Himmel sicher keine Bretter in der Gegend herumhängt, schon allein deshalb, weil die Dinger sich an den Wolken so schlecht festmachen lassen. Die Bibel spricht öfters von dem Plan Gottes mit den Menschen. Gott hat einen Plan. Ob unser Leben gelingt, ob wir glücklich sind, hängt auch davon ab, daß wir diesen Plan auf unserem Weg entdecken. Wie schwer das ist sagt das Buch der Weisheit: „Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken; denn der vergängliche Leib beschwert die Seele, und das irdische Zelt belastet den Geist und macht ihm viele Sorgen. Wir erfassen kaum, was auf der Erde vorgeht und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer aber kann ergründen, was im Himmel ist?“ Was nützt der schönste Stundenplan, wenn der im Lehrerzimmer hängt, das die Schüler nicht betreten können. Was nützt der schönste Plan Gottes, wenn wir ihn nicht erkennen können?
Der Schüler braucht einen Schlüssel für das Lehrerzimmer. Der Christ, der nach dem Willen Gottes fragt braucht auch so einen Schlüssel. Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn... wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast? Warum so umständlich? Warum bitteschön, tut Gott so geheimnisvoll. Wäre es nicht praktischer, wenn jeden morgen ein Zettel in der Nachttischschublade liegt, wo drauf steht, was ich zu tun habe? Wäre es nicht sinnvoller, wenn mir per Einschreiben mitgeteilt wird, wen und ob ich überhaupt heiraten soll?
Der Grund ist nicht, daß Gott das nicht organisieren könnte die Flut an Briefen zu meistern. Der Plan Gottes ist eben so ganz anders als ein Stundenplan. Vielleicht erschien ihnen das mit dem Einschreiben eben zu abwegig, aber es gibt tatsächlich Christen, die auf diese Weise Klarheit erhoffen. So gibt es Gruppen der charismatischen Bewegung, die sich von einer angeblich besonders geistbegabten Person die Hand auflegen lassen, um dann zu erfahren ob Gott sie zur Ehe oder Priestertum beruft. Dann kann ich gleich zum Wahrsager gehen, der verschleiert seinen Aberglauben wenigstens nicht mit frommen Sprüchen. Andere erbitten von Gott ein Zeichen und warten krampfhaft darauf, bis sie irgendwann dann ein fallendes Blatt im Wind plötzlich für sich zu deuten wissen. Das alles führt zu nichts, um den Plan Gottes zu ergründen, weil der Plan Gottes nun mal nicht auf Papier geschrieben ist.
Gott hat seinen Plan in die Herzen der Menschen geschrieben. Dort ist er zu finden, wenn wir vom Heiligen Geist erleuchtet unseren Verstand gebrauchen. Wir sind keine Marionetten die nur die Bewegungen auszuführen haben, die man uns vorschreibt. Gott hat Fähigkeiten in uns hineingelegt, damit wir herausfinden können, was für mich als Christ der richtige Weg ist. Bequem können wir es uns dabei als Jünger Jesu nie machen: Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.
Ob unser Leben gelingt oder nicht, hängt davon ab ob wir den Plan Gottes darin entdecken können. In Christus hat Gott uns erwählt vor Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig vor Gott leben. Er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, durch Jesus Christus seine Söhne zu werden und nach seinem gnädigen Willen ihm zu gehören zum Lob seiner göttlichen Gnade. Wir könen heute einmal besonders darum beten, daß Gott uns führt und begleitet in dem, was er seit Ewigkeit für uns bestimmt hat. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Die Juden wurden unwillig über Jesus

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
Die deutschen Katholiken wurden unwillig über Jesus. Aber nein: mit Jesus haben wir keine Probleme. Zumindest mit dem, was wir uns unter Jesus vorstellen. Der immer lächelnde Jesus. Ein Klischee und Kitschbild, das bis heute auf Religionslehrer in den Schulen übertragen wird. Wenn wir nicht unwillig werden über Jesus, dann entweder deshalb weil wir die Evangelien zu wenig lesen und betrachten oder weil wir Jesus wirklich als unseren Herrn angenommen haben.
Die Botschaft Jesu ist schockierend, fordert heraus. Hier scheiden sich die Geister. Wenn wir diese Spannung noch nie erlebt haben, dann ist das ein Zeichen, daß wir uns zu wenig mit dem Evangelium auseinander setzen.
Alle Achtung vor Kommunisten, die mit Haß die Religion bekämpfen. Sie werden unwillig über Jesus. Solche Menschen bekehren sich oft, weil sie sich damit auseinandersetzen. Ein Schauspieler in Rußland soll in einem antichristlichen Stück das Vater Unser sprechen und damit die Kirche und Religion lächerlich machen. Doch stattdessen kommt es zu einer inneren Wandlung, während er das Vater Unser betet. Er stockt, betet langsam und bekennt sich schließich öffentlich zu Jesus. Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn dazu bewegt. Feinde Jesu werden zu seinen Freunden: aus Saulus wird Paulus.
Würden doch mehr Menschen unwillig über Jesus. Das schlimmste ist die Gleichgültigkeit, nicht der Haß. Das wird in der Geheimen Offenbarung deutlich: Ich habe gegen Dich, daß du deine erste Liebe verloren hast. Und Wärest du doch heiß oder kalt, weil du aber lau bist will ich dich auspeien aus meinem Mund. Harte Worte: die heilige Schrift ist voll davon. Die Geschichte des Volkes Israel im Alten Testament, die Worte Jesu: eine Herausforderung zur Entscheidung.
In gewisser Hinsicht ist es also normal und gut, wenn wir unwillig werden. Wir sollen nicht alles brav schlucken, was man uns vorsetzt. In früheren Jahren wurde Kritik oftmals unterdrückt, auch in der Kirche. Dennoch: als Christen haben wir uns für Jesus bereits entschieden. Unser Handeln und unsere Kritik sollte deshalb vom Geist der Liebe geprägt sein. Jesus sagte zu seinen Jüngern damals: Werdet nicht unwillig untereinander. Und der heilige Paulus schrieb in der heutigen Lesung: jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.
Zwischen unfruchtbarer Mäkelei und konstruktiver Kritik besteht ein großer Unterschied. Wir können Menschen mit Vorurteilen begegnen. Ihn nach deutscher Ordnungsliebe in die entsprechende Schublade einordnen. Man bleibt höflich, natürlich. Aber bei jeder Begegnung merkt der andere, die frostige Ablehnung. Wir können es nicht ertragen, wenn andere Menschen anders denken, anders reden und anders sind als wir es gerne hätten.
Dabei ist es gar nicht so schwer, wenn die Liebe wirklich in uns wohnt. Wohlwollen ist ein anderes Wort für Liebe. Wir wollen das Beste für den anderen. Mit unserer Kritik schüren wir aber nur Ärger und Streit. Die Mitmenschen wollen nicht ständig von uns abgeurteilt werden. Das wollen wir ja auch nicht. Gott nimmt uns so wie wir gerade sind.
Ein Beispiel: Eine Jugendliche mit Lederjacke, grünen Irokesemschnitt und Minirock verirrt sich in den Gottesdienst. Bringen wir es fertig den Menschen zu sehen, ohne uns gleich über sein Äußeres zu empören. Ein falsches Wort, so höflich und gutgemeint es auch sein mag: „Bitte, ziehe doch eine lange Hose an!“ Schon das kann dazu führen, daß das Mädchen sich nie mehr blicken läßt. Es hätte eine Chance sein können, aber wir weil wir unwillig wurden, wird diese Chance zerstört.
Werdet nicht unwillig untereinander. Das gilt nicht nur für Punker oder Ausgestoßene. In jeder Gemeinde gibt es genug unterschiedliche Menschen, die uns unwillig machen können. Wir brauchen nicht alles hinzunehmen. Kritik ist gut, aber wir sollten jedem Menschen mit der Liebe begegnen, mit der auch Christus uns begegnet. Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan hat, das habt ihr mir getan. Wenn wir andere ständig begutachten und beurteilen, unwillig werden, dann werden wir letztlich unwillig über Jesus. Bitten wir den Herrn, daß er uns jedem Menschen mit großer Liebe begegnen läßt. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Was wird der Herr sagen, wenn er in seiner Herrlichkeit kommt

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
Jürgen Hoch war ein Mensch, der sein Leben lang Gott und der Kirche gedient hat. Neben einem harten Beruf, der Sorge um die Familie, war die Kirche sein Lebensinhalt. Die Sorgfalt, mit der er seinen Dienst versehen hat, drückte seine Liebe Gott gegenüber aus. „Der Eifer für dein Haus verzehrt mich“. Was von Jesus gesagt wird, als er die Geldwechsler aus dem Tempel treibt, können wir auch von unserem Küster sagen. Alles mußte perfekt sein, wenn es um die Ehre Gottes ging. Dabei war er kein Leisetreter. Er sagte das, was er dachte und tat, was er für richtig hielt. Eine Eigenschaft, die vielen Christen heute abgeht.
Noch vor wenigen Tagen hat er die Prozession an Fronleichnam begleitet. Früher knieten sich die Gläubigen alle nieder während des sakramentalen Segens, egal wie schmutzig die Straße war. Heute tun das leider nur wenige. Jürgen Hoch hat gekniet, als einziger. Er war ein Mensch, der Jesus in diesem äußeren Zeichen vor den Menschen bekannte. Wenn wir nur mehr Christen von dieser Sorte hätten. Menschen, die den Mut haben, sich ohne Scheu zu Jesus zu bekennen. Menschen, denen der Glaube alles ist, mehr als ein bisschen Schmutz an der Sonntagshose. Wenn Jesus sagt: „Wer mich vor den Menschen bekennt, den werde ich auch vor meinem himmlischen Vater bekennen.“ , dann gilt dieses Wort dem Verstorbenenen. Jesus wird ihn in der Ewigkeit vor dem Vater bekennen.
Der Tod hat etwas Schreckliches. In der Nacht, als er starb konnte man die Nichtigkeit des Menschen richtig fühlen. „Was ist der Mensch?“ Eben ist er noch, dann ist er dahin. Wir haben nichts in der Hand, all unsere Pläne sind plötzlich unwichtig. Der Tod reißt einen Menschen mitten heraus und hinterlässt eine Lücke in der Familie, unserer Pfarrgemeinde. Ein schwacher Trost. Der Verstorbene hat sich einen solchen Tod gewünscht. Doch er wollte auch über achtzig Jahre alt werden. Er wußte aber genau, daß der Tod zum Leben dazugehört. Noch einen Tag zuvor hat er zu einem älteren Herrn gesagt: „Der liebe Gott holt uns, wann er will, nicht wann wir wollen.“ Er hat vermutlich nicht damit gerechnet, dass der liebe Gott ihn einen Tag später holen würde. Dennoch zeigen diese Äußerungen, dass er ein Mensch des Glaubens war. Das Leben ist nur vorläufig. Die Ewigkeit ist unser Ziel. Dort werden wir einmal alle vereint sein.
Jürgen Hoch war öfter mit Wallfahrten unterwegs, hat sie auch geleitet und geistlich begleitet. Ständig auf der Suche nach guten Büchern und guten Texten hat er zur Vorbereitung von Andachten eine kleine Bibliothek aufgebaut. Dabei entwickelte er Stil. In der Wahl der Gebete, aber auch in der Wahl von Andachtsgegenständen und Bildern. Er war ein Muttergottesverehrer, der gerne den Rosenkranz betete. Ein Kind Mariens. Einer der sich unter den Schutzmantel der Mutter unseres Herrn stellt.
Wir trauern um einen Menschen, der sein Leben in den Dienst der Kirche gestellt hat. Gott weiß, warum er ihn schon jetzt zu sich genommen hat. Letztlich ist die Zahl der Jahre für den Verstorbenen selbst bedeutungslos. Wichtig ist nur, daß wir unser Ziel erreichen. Wir trauern, weil der Verstorbene eine Lücke hinterlässt, die schmerzlich ist. Für uns, die wir zurückbleiben ist es hart, aber für den Verstorbenen bedeutet es das höchste Glück dort zu sein, wofür er sein ganzes Leben eingesetzt hat. Beten wir für ihn, dass Gott alles von ihm nehme, was noch unvollkommen war. Beten wir für ihn und beten wir für die Familie, dass sie die Kraft findet in dem selben Glauben auszuharren, den Jürgen Hoch bezeugt hat. Kraft und Trost in Jesus Christus, dem auferstandenen Herrn, der uns überreich beschenkt, wenn wir uns in seine Vorsehung fallen lassen. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Wenn du aber alt geworden bist

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
 Es gibt einen Zukunftsroman, wo die Menschheit in einer künstlich geschaffenen Welt lebt. Wer älter als 30 Jahre ist, muß in das sogenannte Karrusel. Seine Lebensuhr ist abgelaufen. Alles wird genau kontrolliert. Alte Menschen? Die gibt es nicht mehr. Zwei Menschen gelingt die Flucht. Sie treffen in einer zerfallenen Stadt auf einen alten Mann. Die Flüchtlinge streichen fasziniert über das faltige Gesicht des Alten.
In allen Kulturen wurden alte Menschen geachtet und geehrt. Nicht aus Mitleid, sondern weil sie reich sind. Reich an Wissen, reich an Erfahrung, vor allem aber reich an Liebe und Güte. Was ist schon Schönheit? (K) Als schön empfinden wir das Mittelmaß. Ein Gesicht das aus vielen Gesichtern mit dem Computer zusammengesetzt wird, ist für uns schön. Aber wirkliche Charakterköpfe entsprechen keinem Mittelmaß. Da gibt es Kanten und Ecken. Das sind keine Bubigesichter und Babipuppen. Das ganze Leben spiegelt sich im Gesicht eines Menschen wieder.
Wie kommt es nur, daß wir immner auf die Jugend schielen. Ist es nicht lächerlich wenn sich Eltern, ja sogar Großeltern auf die gleiche Stufe mit ihren Kindern stellen. Wenn sie cool sein wollen, und noch nicht einmal merken, wie sehr sie damit ihre Sprößlinge nerven. (K) Kinder und Jugendliche brauchen das Ausgewogene, etwas woran sie sich festhalten können. Als ein Kardinal nach Amerika kam, wurde er von einem Reporter gefragt, was ihn am meisten beeindrucke. Er sagte etwas bissig: Am meisten beeindruckt mich wie die Kinder ihre Eltern erziehen.
Kinder an die Macht. Wohin das führt zeigt Golding in seinem Roman: der Herr der Fliegen. Ein einziges Chaos. Englische, feingesittete Schulbuben werden zu Wilden. Kinder wollen in uns Vorbilder haben, sie brauchen klare Grenzen und Richtlinien.
In gleichem Maße wie heute die Jugend überbewertet wird, in gleichem Maße mißachtet unsere Gesellschaft den älteren Menschen. Das beginnt schon im Beruf. Ein Manager mit 30 Jahren gehört schon fast zum alten Eisen. Mit 45 bekommt jemand nur noch schwer eine neue Arbeit. Und dabei könnte gerade die Erfahrung der älteren Mitarbeiter so wichtig sein. Wer auf die Jungen hört ist oft schlecht beraten. Die Alten rieten einem judäischen König das Volk mit Milde zu behandeln, die jungen Freunde des Königs aber forderten harte Maßnahmen. Der König hörte auf die jugendlichen Ratgeber und löste eine Revolution aus.
Wenn man heute von Weisheit spricht, dann ist damit oft gemeint: weise ist der, der alles lächelnd betrachtet, den nichts mehr aufregen kann. Aber das ist es eben nicht! Das ist nur das verdrehte Bild von Altersweisheit, das eine verdrehte Welt uns vor Augen führen will. In der Geschichte des Volkes Gottes waren die Alten die maßgeblichen Leute. Sie lenkten die Geschicke, sie waren anerkannt. Welcher Reichtum geht uns verloren, wenn Kinder ihre Großeltern nur noch selten in einem Heim besuchen können.
Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst. Der alte und kranke Mensch ist abhängig von anderen. Wir sollten wieder lernen und auch unsere Kinder lehren, daß es wichtig ist gerade solchen Menschen gegenüber mit Achtung zu begegnen. (K) Alter ist eine Gabe des Herrn, heißt es in der Schrift. Wir sollten wieder lernen, diese Gabe dankbar anzunehmen. Amen.

Herr unser Gott, alte und kranke Menschen erfahren oft zu wenig den Respekt, den sie verdienen. Deshalb bitten wir:
Stärke kranke und ältere Menschen in dem Bewußtsein, daß nicht die körperliche Leistung, sondern die Liebe das Maß aller Dinge ist. Gott unser Vater...
Gib jungen Menschen die Einsicht, daß der Rat älterer Menschen ihnen helfen kann. Gott unser Vater...
Laß unsere Gesellschaft geprägt sein in der Ehrfurcht vor der Würde jedes Menschen. Gott unser Vater...
Bewahre uns vor einer zerfallenden Moral, welche die Menschenrechte mißachtet. Gott unser Vater...
Herr unser Gott. Von Dir kommt alles Gute. Dir sei Lob und Preis in alle Ewigkeit. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Gib uns die Gnade, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, dass uns die Frucht der Erlösung zuteil wird.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Kinder!

Was unterscheidet die Fronleichnamsprozession vom Umzug am Traubenblütenfest? Fronleichnam ist ein Fest des Glaubens! Andere Umzüge sind Ausdruck von Traditionen und Lebensfreude. Wenn dieser Unterschied nicht mehr sichtbar wird, wenn Fronleichnam zur Halli-Galli-Show verkommt, dann verzichten wir nächstes Jahr lieber darauf. Fronleichnam ist ein Fest des Glaubens, ein Fest der Ehrfurcht. Wir gehen öffentlich durch die Straßen und bekennen: Jesus Christus ist der auferstandene Herr. Jesus Christus ist wirklich da unter der Gestalt des Brotes. Wir tragen den König der Könige durch Westhofen, nicht um alter Traditionen willen, sondern weil wir nicht anders können. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Ob diese Prozession Show ist oder echtes Glaubensbekenntnis, kann man an vielen scheinbar kleinen Dingen ablesen.
Gib uns die Gnade, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, dass uns die Frucht der Erlösung zuteil wird. Wie müssen wir denn Jesus verehren. Worauf kommt es denn an, wenn wir gleich auf die Strassen gehen? (K) In der Kirche muss man leise sein! Das wissen die meisten Christen noch, wenn auch nicht alle. Das Geschwätz vor manchen Gottesdiensten, oft unüberhörbar, verhindert nicht nur, dass andere Schwestern und Brüder in Ruhe beten können, sondern zeigt auch große Respektlosigkeit. Der König der Welt, Jesus Christus ist im Gotteshaus gegenwärtig, aber wir tun so, als wäre er gar nicht da. Wenn Messdiener in der Kirche üben, dann muss ihnen jederzeit bewusst sein: Jesus ist hier. Dies zeigen wir durch die Kniebeuge. Das zeigen wir durch ehrfurchtsvolle Stille, indem nur das nötigste gesprochen wird. Mein Opa erzählte einmal, wie er aus der Kriegsgefangenschaft nachhause kam. Seine Frau war gerade in der heiligen Messe. Er rannte in die Kirche und kniete sich neben sie. Seine Frau erschrak vor Freude, aber beide knieten in Stille nebeneinander bis der Gottesdienst zuende war. Mein Opa hat diese Messe nie vergessen, er hat die übernatürliche Liebe seiner Frau nie vergessen. Wieviel haben wir verloren, wenn wir die belanglosen Neuigkeiten des Dorfklatsches nicht eine Stunde für uns behalten können. Wenn wir jetzt Fronleichnam feiern, dann tragen wir die heilige Atmosphäre der Kirche auf die Strasse hinaus. Wer während diesem Gottesdienst im Freien meint über das Wetter sprechen zu müssen, versündigt sich an Gott und seinen Mitmenschen.
An den Mitmenschen, die glauben deshalb, weil er ihnen Ärgernis gibt. Zahlreiche Helfer haben die Altäre vorbereitet. Mit viel Liebe haben sie Blütenteppiche gelegt, um dem Herrn Jesus Christus Ehre zu erweisen. Jeder Schwätzer verachtet im Letzten dieses Mühen um Ehrfurcht, wenn er die Prozession als gemütlichen Spaziergang betrachtet.
An den Mitmenschen, die nicht glauben, weil jeder Christ zum Bekenntnis gerufen ist: Ich glaube daran, dass Jesus hier in unserer Mitte mit uns geht. Was aber sollen die Andersgläubigen von uns denken, wenn wir so tun, als sei Jesus gar nicht da, wenn wir keinen Respekt haben vor der Gegenwart Jesu in der Monstranz? Wir verleugnen Jesus dann zwar nicht mit Worten, aber unser Verhalten wird von den Menschen in den Häusern und Strassen ganz genau beobachtet. Das kann niemanden überzeugen. Die Frucht der Erlösung wird diesen Menschen nicht zuteil, weil wir nicht durchlässig waren für seine Gnade.
An Gott. Denn wir erweisen ihm nicht die geschuldete Ehre. Die Gottesfurcht ist der Anfang der Weisheit. Wenn wir Gott wie ei nen Kumpel betrachten, dann haben wir noch gar nichts verstanden. Heilig ist dieser Ort. Terribilis est locus iste. Schrecklich ist dieser Ort, singen wir an Kirchweih. Als Gott dem Jakob erscheint, da baut er einen Altar an die Stelle und spricht genau diese Worte. Wir müssen das Gespür für die Heiligkeit und Größe Gottes wiederentdecken. Deshalb fangen wir an, dies auch in den äußeren Formen zum Ausdruck zu bringen. Und wenn Sie jetzt sagen: Der Pfarrer will nett, dass ma unerwegs schwätze, dann haben Sie in einem Satz ausgedrückt, was ich hier in vielen Worten versucht habe klar zu machen. Aber fast noch wichtiger ist: Das ganze ist kein Trauermarsch. Beten wir laut, singen wir kräftig mit, dann wird diese Prozession zu einem wahren Fest unseres Glaubens.
Gib uns die Gnade, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, dass uns die Frucht der Erlösung zuteil wird. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Dreifaltigkeitssonntag
Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

Liebe Schwestern und Brüder in Christus
Jeder hat seine Geheimnisse. Dinge, die wenige wissen oder nur ich alleine weiß . Wenn ich jemandem mein Geheimnis verrate, dann ist es für ihn kein Geheimnis mehr.
Mysterium bedeutet Geheimnis. Die alten Mysterienkulte der Antike weihten ihre Anhänger in besondere Geheimnisse ein, eigene Riten und verborgenes Wissen. Das Unbekannte reizt. Davon profitiert die Esoterik.
Gott hat auch Geheimnisse, aber seine Geheimnisse sind von ganz anderer Art. Ein Gott in drei Personen. Gott hat uns das Geheimnis seines inneren Wesens offenbart, die Dreifaltigkeit ist, so sagt Caesarius von Arles, „der Inbegriff des Glaubens aller Christen“. Das Geheimnis bleibt trotzdem bestehen. Wir können es niemals begreifen, wie das möglich ist: ein Gott in drei Personen. Es sind nicht nur drei Namen für den einen Gott, sondern der Vater ist wirklich unterschieden vom Sohn und dem Heiligen Geist. Jede Person ist Gott, aber dennoch gibt es nicht drei Götter. Wir beten nicht: In den Namen (Plural) des Vaters..., sondern wir beten Im Namen (Einzahl) des einen Gottes.
Die Lehre von der Dreifaltigkeit scheint vielen heute nur noch theologische Spekulation, ohne jeden praktischen Wert. Das liegt daran, daß man oft zu sehr um sich selbst kreist, den Menschen absolut, d.h. An die Stelle Gottes gesetzt hat. Trotzdem ist das Geheimnis des inneren Lebens Gottes der Urgrund aller anderen Glaubensmysterien. Die ganze Heilsgeschichte ist nichts anderes als die Geschichte des Weges und der Mittel, durch die der wahre, einzige Gott - Vater, Sohn und Heiliger Geist - sich offenbart, sich mit den Menschen, die sich von der Sünde abwenden, versöhnt und sie mit sich vereint.
Gott hat uns nicht nur erschaffen, er hat uns nicht nur als seine Kinder angenommen. Er will uns mit hineinnehmen in sein innerstes Wesen. Das bedeutet, daß wir - im richtigen Sinn verstanden - vergöttlicht werden. Der Dreifaltige Gott wohnt in unserer Seele. Jesus kehrt als Mensch in seine Herrlichkeit zurück. Er nimmt uns mit in sein Reich der Liebe. Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Wir werden einmal Gott schauen gerade in dem Geheimnis seiner Dreifaltigkeit. Selbst dann aber können wir das niemals verstehen. Wie sollten wir auch? Der heilige Augustinus...
Jesus sagt: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“ Joh 14,23
Das gilt schon jetzt, wenn wir wie die heilige Elisabeth von der Dreifaltigkeit beten: „O mein Gott, Dreifaltiger, den ich anbete, hilf mir, mich ganz zu vergessen, um in dir begründet zu sein, unbewegt und friedvoll, als weilte meine Seele schon in der Ewigkeit. Nichts vermöge meinen Frieden zu stören, mich herauszulocken aus dir, o mein Wandelloser; jeder Augenblick trage mich tiefer hinein in deines Geheimnisses Grund.“
Gott hat Geheimnisse, die wir nie verstehen werden. Dennoch will Gott, daß wir immer tiefer eindringen in die Mysterien unseres Glaubens. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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