Predigt zur Firmung am 24. Sonntag im Jahreskreis, Sonntag den11. September 2005

„Gottes Liebe ist unendlich – Liebe bleibt mir immer schuldig“

Wahrscheinlich glaubte Petrus, dass er schon sehr großzügig bemessen wurde, als er Jesus die Frage stellte, ob man seinem Bruder denn sieben mal verzeihen solle. Die Antwort Jesu haben wir darauf gehört. „Nicht sieben mal, sondern siebenundsiebzig mal“, das heißt, es geht Jesus nicht um Zahlen, sondern um etwas ganz anderes. Es geht ihm um Gott, um seine Beziehung zu uns Menschen, um seine Beziehung zu jedem einzelnen und jeder einzelnen von uns. Das, was Jesus uns heute sagt, ist lebenswichtig und will in euer Herz hineingeschrieben werden.
Holen wir uns noch einmal die Geschichte, die Jesus uns gerade erzählt hat, ins Gedächtnis. Da ist der eine Mann, dem der König eine ungeheuer große Summe an Geld anvertraut hat. Die Summe, die Jesus nennt, ist mit unseren heutigen Wertvorstellungen kaum bezifferbar. Der Mann veruntreut es. Als Rechenschaft von ihm gefordert wird, geschieht das Unglaubliche, er kommt mit dem Leben davon, es wird ihm vergeben. Und dann erfahren wir, dass er nichts gelernt hat aus dem, was gerade passiert ist. Er ist ein Schuft geblieben, denn den, der ihm nur wenig schuldete, den würgt er, tut ihm Gewalt an und wirft ihn ins Gefängnis. Als der König das erfährt, ist seine Geduld mit dem Übeltäter zu Ende. Nun muss auch er bezahlen auf Heller und Pfennig. Er wird, so heißt es, mit seiner Familie verkauft, das heißt, er hat sein Leben verwirkt, er hat das Leben verloren.
Es geht um Gott in dieser Geschichte. Was schulden wir ihm? Die Antwort scheint einfach, ist es aber dennoch nicht. Wir schulden ihm unser Leben, denn er hat es uns geschenkt.
Heute abend, liebe Firmlinge, sind eure Eltern da, eure Patinnen und Paten, eure Geschwister und Verwandten, Freundinnen, Freunde, um mit euch das Fest eurer Firmung zu feiern. Zunächst setzt diese Feier auch bei dem an, was ihr seid, ein Geschenk, ein Geschenk Gottes an diese Welt. Jede und jeder von euch ist unendlich wertvoll. Ihr seid ein Geschenk an eure Eltern, und auch eure Eltern sind das gleiche für euch. Alle Menschen, die ihr liebt und die euch lieben, sind einbezogen. Ihr seid nicht eure Erfindung. Gottes schöpferischer Geist hat euch ins Leben gerufen, denn das Leben habt ihr empfangen, nicht euch selbst gegeben, auch eure Eltern haben es euch nicht gegeben, sie sind im Dienst dieses Lebens, das Gott ihnen anvertraut hat.
Nun werdet ihr gefirmt, das heißt, Gott führt euch mit den Gaben seines Geistes hinaus in die Weite, die es in eurem Leben gibt. Und unter den Gaben, die euch geschenkt werden, ist auch die Gabe, vergeben zu können, euch verschenken zu können, also die Enge, die darin besteht, dass ich immer gleich fragen müsste, was habe ich davon, zu übersteigen, um zu erfahren, wie viel an Leben möglich ist, auch da, wo ich mit meinem Leben verletzt worden bin.
Darauf kommt ja Jesus auch zu sprechen, wenn er darauf hinweist, wie wichtig es ist, vergeben zu können. Was geschieht denn, wenn ich sage: „Ich vergebe dir?“. Betrachten wir zunächst ein Kind. Wenn ihm Unrecht geschieht, geht es unmittelbar auf Gegenwehr. Erst langsam lernt es, sich in einen anderen einzufühlen. Und soweit diese Einfühlsamkeit fortschreitet, um so mehr merkt der Mensch auch, dass nicht nur der andere Fehler macht, sondern er ebenso. Dass Vergebung also nicht etwas ist, was ich zu leisten habe, sondern dass ich auch empfange. Uns allen ist Fehlerhaftigkeit zu eigen. Würde ich in meinem Leben nur die Erfahrung machen, dass jeder Fehler, den ich begehe, bestraft würde, dann könnte ich nicht vergeben, sondern ebenfalls nur bestrafen, weil ich es anders nicht gelernt habe. Würde man mir aber jeden Fehler nachsehen und alles, was ich tue, für richtig erklären, dann könnte ich ebenfalls nicht vergeben, weil das Verständnis für die Fehler anderer bei mir nicht vorhanden wäre.
Wenn mir jemand weh getan hat, muss ich ihm das auch sagen können, aber, mein Schmerz ist nicht die letzte Antwort, die ich zu geben habe. Es kann lange dauern, bis ich soweit bin, dass ich jemandem, der mir sehr weh getan hat, die Hand geben kann, denn eine Wunde heilt nicht in einem Augenblick. Und ich kann auch nicht einfach sagen, vergessen wir alles, denn, was ich vergesse, kann ich nicht vergeben. Ein Unrecht kann ich nicht ungeschehen machen, aber ich kann versuchen, den Glauben an den Menschen wiederzufinden, so dass ich ihn nicht mehr nur mit dem Unrecht identifiziere, sondern auch wieder die positiven Seiten wahrnehme, die der andere hat.
Vergebung, wie Jesus sie versteht, stellt die Gerechtigkeit wieder her. Und die Gerechtigkeit ist nicht dann erreicht, wenn der Schuldige angeklagt und verurteilt wird, sondern wenn Ankläger und Angeklagter zueinander finden, weil sie wissen, dass es nicht weiterführt, wenn sie ein Leben gegeneinander gestalten, sondern nur, wenn sie es miteinander tun.
Bei all dem, was ich jetzt gesagt habe, geht es um die Mitte des Menschen, um die Mitte des christlichen Glaubens, denn Christus verkündet, dass wir erlöste Menschen sind. Zunächst sind wir erlöst von dem Wahn, dass wir glauben müssten, wir wären uns selber genug, wir bräuchten keinen Gott, dann erlöst von der Not, die im Laufe des Lebens wachsen kann, wenn wir spüren, dass wir nicht nur Erfolge haben, sondern auch Misserfolge und Versagen mit uns tragen. Erlöst sind wir auch von der Enge unseres Lebens, denn unser Leben ist mehr als nur die kurze Spanne Zeit zwischen Geburt und Tod. Nein, wir sind wirklich zu einem Leben bis in die Ewigkeit hinein berufen. Und dieses Lebenszeichen, liebe Firmlinge, wird euch heute auf die Stirn geschrieben. Mit dem Zeichen des Kreuzes empfangt ihr erneut die Zusage Gottes: Ich bin um dein Leben besorgt in dieser Zeit bis in Ewigkeit.

von Weihbischof Dr. Werner Guballa

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Deine Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau

Wie hört sich das an? Poetisch? Eine wahre Liebeserklärung? Was würdest du sagen, wenn dein Freund, Ihr Mann oder Ihre Freundin sagen würde: Deine Liebe... Gut oder schlecht?
So poetisch der Satz im Munde Gottes anfängt, das was dann kommt ist alles andere als beruhigend: „Eure Liebe... der bald vergeht. Darum schlage ich drein... ich töte sie durch die Worte meines Mundes.“ Du bist wankelmütig, deine Liebe verflüchtet sich mit der Sonne, das ist alles nur nicht wirklich Liebe.
Es klingt wie ein Notschrei Gottes: Liebe will ich! Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.

Und dabei will das Volk doch umkehren. „Kommt, wir kehren zum Herrn zurück!“ Frommes Gebet, fromme Worte: und dann eine derart harte Reaktion von Gott. Wer hätte das erwartet?

Wer würde das heute erwarten? Muss der liebe Gott nicht zufrieden sein, wenn wir überhaupt noch in die Kirche kommen? Sind wir nicht allesamt ganz in Ordnung, gute Christen eben, die ihre Pflicht erfüllen?

Vergiss die Pflicht! Gott will deine Liebe! Wie lange gaukeln wir uns noch etwas vor. Unsere Schlachtopfer sind die biedere Ordentlichkeit, die scheinheilige und oberflächliche Selbstgefälligkeit. Bei solchen Menschen hat auch Jesus keine Möglichkeit der Rettung: Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ Wir halten uns alle für seelisch gesund, wir brauchen Jesus nicht wirklich. Nur deshalb ist unsere Liebe so flüchtig wie der Morgentau, der bald vergeht.

„Darum schlage ich drein.“ Enttäuschte Liebe. Unser Gott fiebert nach Liebe. Warum zeigen wir ihm nicht, dass wir es wirklich ernst meinen? Warum ist uns der Egoismus und die Bequemlichkeit so oft immer noch wichtiger als die Verbindung mit ihm? Warum richten wir unser Leben nicht ganz nach ihm und seinen Geboten aus? Warum fällt es uns so schwer täglich zu beten, Sonntag für Sonntag die heilige Messe mitzufeiern: Gott jede Sekunde im Leben den ersten Platz zu geben?

Ein Mann lag im Krankenhaus. Krebs im Endstadium. Ein bekannter Chirurg entfernte den Tumor, rettete ihm das Leben. Noch heute ist der geheilte Mann dem Arzt dankbar. Nur wer krank war, kann die Gesundheit schätzen.
Wir alle sind krank, allerdings merken wir es nicht immer sofort. Solange wir uns noch für gesund, für gerecht halten, werden wir nie die Heilkraft Jesu an uns erfahren. Erst wenn wir merken, wie nötig unsere Seele Gott hat, werden wir jene Liebe für ihn empfinden, die nicht gleich beim ersten Sonnenstrahl verschwindet. Und so wünsche ich mir eine Kirche, die so ist wie das Haus des Matthäus: dorthin kamen viele Zöllner und Sünder und aßen mit Jesus und seinen Jüngern. Lernt was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Predigt aus Anlass des 50jährigen Priesterjubiläums von Msgr.
Karlheinz Beichert,
in Dittelsheim-Heßloch, am 1. Fastensonntag, 28. Februar 2004

Versuchung und Entscheidung
Traditionsgemäß gehört dieses Evangelium an den Beginn der Fastenzeit, denn es legt die Fragen frei, die sich uns Menschen stellen. Es sind auch die Fragen, die wir im Leben von Herrn Pfarrer Karlheinz Beichert wiederfinden, mit dem wir heute dieses Jubiläum feiern.
Fragen seines Priesterlebens in den vergangenen 50 Jahren:
Die erste Frage lautet: "Wer bist Du. Hast du nicht die Macht, Dir alles Brot zu besorgen, das Du brauchst?"
Die zweite Frage: "Wo lebst Du? Kennst Du die Gesetze der Welt, in der Du lebst, und solltest Du nicht in ihr versuchen, alle Macht zu bekommen, die Du kriegen kannst?"
Und schließlich die dritte Frage: "Wer ist Gott? Wenn Du wirklich auf ihn vertrauen willst, sollte er Dir dann nicht beweisen, dass er Deines Vertrauens würdig ist?"
Es sind die Fragen der Versuchung Jesu. Sie sind Auseinandersetzungen unseres Lebens. Sie gehören zu jeder Personwerdung dazu: die Frage nach mir selbst, nach der Welt, in der ich lebe, und nach Gott.
Fragen wir Herrn Pfarrer Beichert, wie das war, als er seine Lebensentscheidung getroffen hat, Priester zu werden, und fragen Sie sich selbst, wie es bei Ihnen war, als Sie in ihrem Leben wichtige Entscheidungen zu treffen hatten: die Entscheidung für eine Ehe zum Beispiel, für eine Freundschaft, für einen bestimmten Berufsweg.
In einer solchen Situation kann ich mich ganz und gar einsam fühlen, wie im Stich gelassen. Da kann Panik aufkommen und die Angst, den Weg nicht zu finden, liegen zu bleiben, zu scheitern. Eine grundsätzliche Entscheidung ist immer eine Wüstenerfahrung, und die Angst in ihr ist verständlich, denn in der Wüste gibt es genug Zeugnisse von Abbruch und Scheitern.
Es gibt aber auch die Wüste des Alltags, indem meine Treue auf die Probe gestellt wird, in der Eintönigkeit des Auf und Ab, in den vielen Kleinigkeiten, die mich manchmal in Spannung halten oder außer Atem bringen, die mir so über den Kopf wachsen können, dass ich keinen Durchblick und keine klare Linie mehr sehe.
Wenn sich in den ersten christlichen Jahrhunderten Mönche in der Wüste begegneten - es lebten dort viele sog. Wüstenväter - dann fragten sie sich als erstes: "Wo kämpfst Du?". Die Frage zielt auf die Notwendigkeit, sich der Einsamkeit zu stellen, Scheitern zuzulassen, Zweifel nicht zu verdrängen, Schwierigkeiten nicht aus dem Weg zu gehen. Auch da können wir den Jubilar zurückfragen: "Wo waren Deine besonderen Kämpfe in Deinem Leben? Wo bist Du auch bis an einen Abgrund geführt worden, und was ist dann geschehen?"
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, wenn ich in meinem Leben bis auf den Grund gefragt worden bin, dann ist Offenbarung geschehen. Meister Eckhart, einer unserer großen Mystiker, fasst eine solche Offenbarung einmal in folgendes Bild: "Wäre ich allein in einer Wüste, wo es mich grauste, hätte ich da ein Kind bei mir, so verginge mir das Grausen, und ich würde gekräftigt. So edel und lustvoll und so kräftig ist das Leben in sich selbst." Darum geht es im Letzten, dass wir unser Leben in seiner Tiefe und Fülle finden.
Wenn Menschen aber in dieser Suche nach Leben und Sinn in dieser Wüstenerfahrung sind, dann bedürfen sie zuverlässiger Wegweisung.
In diesem Sinn werden heute viele Menschen dankbar an Herrn Pfarrer Beichert denken, an die Jahre seines priesterlichen Wirkens, an die Wegbegleitung und Wegweisung, durch die er Vielen ein Halt zum Leben wurde. Er war nie Nachlassverwalter der Vergangenheit, sondern Wegbereiter der Zukunft. Mir ist dies immer deutlich in der Art und Weise, wie er einen Zugang zu jungen Menschen gefunden hat, so dass sie ihn bis in seine hohen Jahre hinein immer wieder eingeladen haben, ihre Firmfreizeiten z. B. zu begleiten. Denn es war gut, ihn dabei zu haben, ihn, der sich nicht aufdrängte, aber der da war, wenn die Fragen sich stellten, wenn Menschen nach Antwort suchten und einen Halt brauchten.
Es ist Pfarrer Beichert anzumerken, dass die Jahre ihn geprägt haben und dass es auch eine Last des Alters gibt. Aber es ist ihm auch anzumerken, dass er nach wie vor so etwas wie eine Aufbruchstimmung hat, eine Stimmung, die nicht vom Lebensalter abhängt, vielmehr von dem festen Glauben, dass die Zukunft Gottes im Kommen ist, und dass wir auf unserem Weg ihm entgegengehen, denn wir sind Wegbereiter einer Zukunft, die wir nicht machen können, die aber deswegen kommen wird, weil Christus kommen wird.
Mit den Augen unserer Zuversicht schauen wir also auf den kommenden Herrn, aber weil wir diese Augen des Glaubens haben dürfen, die der Geist Gottes bewirkt, dürfen wir auch den nüchternen Blick zulassen, mit dem wir uns nichts vormachen angesichts einer schwierigen kirchlichen Situation, in der wir manchmal den Eindruck haben, als ob der Glaube geradezu verdunsten würde. Und dennoch erlaubt uns niemand, einfach statistisch auszurechnen, wann wir auf dem Nullpunkt sein werden. Es geht nicht um ausrechenbare Verzweiflungen, genau so wenig wie um realitätsferne Hoffnungen, sondern darum, die Hoffnung allein an Christus zu entzünden und allein nach ihm auszuschauen. Es geht um das, was wir mit dem Wort Gottesfurcht bezeichnen, d. h. eine unbegreifliche Liebe zu einem unbegreiflich großen Gott. Wir dürfen wie die Vögel des Himmels vertrauen, aber dies dürfen wir nur in der Entschiedenheit für Gott, denn das ist an einer Gestalt wie der des Jubilars heute ablesbar. Die Entscheidung für Gott ist die entscheidende Sache unseres Lebens und unserer Welt überhaupt.
Wir tragen eine Verantwortung dafür, dass der Glaube weitergehen kann. Wir können nicht leben, indem wir sagen: "Wenn Christus kommt, dann werden wir schon sehen, er wird schon irgendwie kommen". Nein, wir treffen Vorsorge in einem lebendigen Glauben, um ihm, dem Herrn, in Liebe zu begegnen. Christus schaut uns schon jetzt ins Gesicht. In jedem Bruder, in jeder Schwester tut er das. Und wenn wir ihm einmal endgültig begegnen, dann will er in unserem Gesicht sein Antlitz, sein Herz, seine Liebe finden, denn er hat uns alles gegeben, die Fülle seines Lebens und seiner Liebe bis in den Tod hinein.
Es ist die Geschichte einer Liebe, wenn wir diesen denkwürdigen Tag feiern, der Liebe zwischen Christus und seinem Priester Karlheinz Beichert, der Tag für Tag mit seinen Möglichkeiten und seinen Mitteln uns die Weite der Liebe Christi verkündet hat und der von seiner Priesterweihe an bis heute und von heute an bis zum letzten Augenblick seines Lebens ein Diener der Herrlichkeit Christi unter uns ist, die sich am dichtesten in der Eucharistie zeigt, denn dort sagt Christus in der Gestalt des Priesters in einer besonderen Weise: "Kommt, nehmt teil an meinem Reich, nehmt teil an meinem Mahl, nehmt teil an meiner Zukunft.
Und wir sagen Amen, d. h. wir lassen uns erreichen und einladen, und wir sagen Danke an Karlheinz Beichert für diesen Dienst Jesu Christi unter uns.

von Weihbischof Dr. Werner Guballa

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Von der Kraft des Geistes getrieben
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

In Indien gehen die Menschen noch häufiger ins Kino als bei uns. Nach dem Film die Verlorene Welt, sagte ein Kind: I lost my money. Der Junge fand den Film so langweilig, daß er bereute sein Geld dafür ausgegeben zu haben. Warum? Die Fortsetzung von Jurassic Park war mit genialen Computereffekten gespickt. Spannungsvolle Actionszenen und teure Stunts. Warum hatte die „Verlorene Welt“ nicht den erwarteten Erfolg?
Es fehlte die richtige Story. Computeranimationen machen noch keine Geschichte aus. Der Film war - wie soviele andere Filme auch - geistlos. Geistlos: d.h. Fade und langweilig.
Was für den Film gilt, das können wir auch bei uns Christen entdecken. Paulus berichtet von dem einen Geist: „In dem einen Geist wurden wir durch die Taufe alle zu einem einzigen Leib.“ Aber wirkt dieser Geist wirklich in uns, oder sind wir selbst nicht oft auch geistlos?
Jeder von uns kann sich selbst prüfen. Wenn wir geistlos sind, dann wird alles fade und langweilig. Manchmal kann man hören: Gottesdienst, Gebet: das ist doch öde. Ja, wenn da gescheite Musik wäre, wenn der Pfarrer oder Kaplan mehr Pepp hätten, ja dann würde ich auch regelmäßig kommen. Das ist eine Illusion, genauso wie beim Film. Genauso wenig wie die Spezialeffekte auf Dauer fesseln können, genauso wenig wird eine Rockband in der Meßfeier auf Dauer junge Leute anziehen. Was zählt, ist, ob wir selbst uns be-geistern lassen. Der Stunt ersetzt nicht die Story und die äußeren Formen im Gottesdienst ersetzen nicht die eigene Geistlosigkeit.
Wo müssen wir also ansetzen, wenn wir uns noch langweilen? Das heute Evangelium gibt die Antwort: Jesus kehrte, von der Kraft des Geistes getrieben, nach Galiläa zurück. Dort liest er in der Synagoge aus der heiligen Schrift vor: Der Geist des Herrn ruht auf mir. Es bleibt aber nicht beim Vorlesen. Der tote Buchstabe verwirklicht sich: Jesus erklärt: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
Der Geist Gottes wurde uns in der Taufe geschenkt. Der Geist Gottes wird uns in der Firmung auf besondere Weise verliehen, indem er uns befähigt als mündige Christen zu leben. Das Sakrament wirkt, aber es wirkt nur in dem Maß, wie wir uns darauf einlassen. Die Kraft des Geistes wird auch uns treiben. Die Kraft des Geistes wird auch uns mit innerer Freude erfüllen, wenn wir das wirklich wollen. Deshalb gehört zur Firmung eine intensive Vorbereitung, deshalb gehört zum Christsein ein lebenslanges Lernen und Bemühen.
Jesus hat die Schriften des alten Testamentes studiert und meditiert. Auch wir sollten viel Zeit darauf verwenden, Gottes Offenbarung kennenzulernen. Und damit nicht genug: Wie Jesus geht auch uns das Wort Gottes persönlich an. Der Geist des Herrn ruht auf mir. Das sind nicht fromme Sprüche, sondern das ist Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit, die sich erfahren läßt.
Wir sind nicht geistlos. Wir sind nicht fade und langweilig. Vielleicht gibt es in der Disco die besseren Spezialeffekte. Das Leben des Geistes gibt es nur in Gott. Wir sind keine Zuschauer wie im Kino. Wir selbst sind Kirche, jeder von uns. Wer sich langweilt, sollte also die Schuld nicht bei anderen suchen, sondern bei sich selbst beginnen, damit auch für uns gilt:
Der Geist des Herrn ruht auf mir: denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen, um den Gefangenen die Befreiung und den Blinden das Augenlicht zu verkünden, um die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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"Das Wasser, das zu Wein geworden war."

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

In früheren Zeiten war das heutige Evangelium einigen Männern sehr vertraut, die sonst mit der Kirche nicht viel anzufangen wußten. Wenn ihre Frauen und Kinder in die Sonntagsmesse gingen, saßen sie beim Frühschoppen im Wirtshaus. Sie beriefen sich zurecht darauf, daß Jesus gleich als erstes Wunder Wasser in Wein verwandelt hat. Jesus war also sicher kein Feind des Weines.
Manch fromme Frau, die große Sorgen mit ihrem alkoholisierten Mann hatte, wird sich damals gefragt haben, warum Jesus nicht ein anderes, wichtigeres Wunder gewirkt hat: z.b. eine Krankenheilung.
Zunächst einmal ist sicher, daß Jesus nicht die Trunksucht verharmlosen wollte. In neueren Übersetzungen steht zu Unrecht, daß die Hochzeitsgäste betrunken waren. Jesus nimmt Anteil, auch an dieser - für uns - unbedeutenden Sorge des Gastgebers. Jesus liebt uns so wie wir sind. Ja gerade in kleinen Dingen beweist sich seine Liebe.
Letztlich geht es Jesus in diesem Wunder aber um viel mehr. Jedes Wunder ist ein Zeichen. Das erste Wunder auf der Hochzeit zu Kanaan faßt das ganze Heilswirken Jesu zeichenhaft zusammen. Die Krüge: das sind wir. Das Wasser ist unsere Natur, und das zu Wein gewordene Wasser die Übernatur, die uns in der heiligmachenden Gnade verliehen ist.
Wir können an diesem Bild viel lernen über das, was wir heiligmachende Gnade nennen. Es gibt zwei Arten von Gnaden: helfende Gnaden und die heiligmachende Gnade. Gnaden sind unsichtbare Geschenke Gottes, die wir brauchen, um als Christen leben zu können. Ohne Gnade können wir nichts. Der hl. Paulus sagt: Niemand kann auch nur beten, wenn der Heilige Geist es ihm nicht eingibt. Wenn uns ein guter Gedanke kommt, dann kommt dieser Gedanke nicht aus uns, sondern Gott hat uns zuvor schon dazu angeregt: das ist eine helfende Gnade. Die heiligmachende Gnade ist im Unterschied dazu ein Zustand. Entweder Gott wohnt in uns, dann ist unsere Seele von Licht durchstrahlt, oder wir sind getrennt von Gott, dann sind wir in der Finsternis.
Adam und Eva erkannten, daß sie nackt waren, nachdem sie gesündigt hatten. Sie hatten das Kleid der heiligmachenden Gnade verloren, das Gott ihnen zuvor geschenkt hatte. Seit dieser Zeit trennte eine unüberbrückbare Schuld die Menschheit von Gott. Wenn jemand seinem Kameraden eine Ohrfeige gibt ist das schlimm, aber noch nicht tragisch. Wer hingegen seinen Chef im Büro schlägt, kann schon mit einer Kündigung rechnen. Wer sich aber gegen den Präsidenten eines Landes vergeht, muß vielleicht gar ins Gefängnis. Je höher jemand steht, um so größer ist das Verbrechen. Gott ist unendlich, deshalb ist auch die Sünde gegen Gott unendlich. Wenn Adam und Eva ihr Leben lang gefastet und gebetet hätten, hätten sie ihre Sünde doch nicht wieder gutmachen können.
Nur Gott selbst konnte das. Und er tat es auf eine Weise, die nur die Liebe Gottes ersinnen kann. Er selbst erniedrigte sich und wurde ein kleines Menschenkind. Und sein erstes Wunder in Kana zeigt uns, wie Er uns umgestalten will durch Sein Erlösungswerk.
Nichts haben wir aus uns selbst. Auch unsere Natur wurde uns von Gott gegeben. Es ist Jesus, der den Knechten sagt: "Füllet die Krüge mit Wasser." Das Wasser: das sind unsere Intelligenz, unsere Charaktereigenschaften und Talente. Es ist dumm, sich darauf etwas einzubilden, sagt der hl. Franz von Sales. Ob jemand schön ist, gut reden kann oder gar ein Genie ist: seine Natur kommt von Gott. Sobald jemand sich seiner Natur rühmt, wird das Wasser beschmutzt. Die Schönheit vom Lande verliert ihre nätürliche Anmut, wenn sie beginnt sich eitel vor dem Spiegel zu drehen.
Der moderne Mensch heute ist verliebt in seine Natur. Alles dreht sich nur noch um den Götzen Mensch. Selbst in Gottesdiensten ist dieser Ungeist manchmal eingedrungen. Die göttliche Ebene fehlt, die Gemeinde feiert sich selbst. Wie fade wird dadurch alles. Fade wie Wasser. Wer nie Wein gekostet hat, merkt den Unterschied nicht einmal mehr. Der Mensch feiert sich selbst und verliert dabei seine eigentliche Bestimmung.
Jesus will unsere Natur umgestalten in etwas völlig Neues. Die Liturgie der Kirche drückt diese göttliche Wandlungskraft tief aus. Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat. Wein auf der Hochzeit zu Kanaan: das ist der vergöttlichte Mensch. Seine Natur wird nicht ersetzt. "Die Gnade setzt die Natur voraus", sagt der heilige Thomas. Unsere guten Eigenschaften der Natur werden veredelt durch das Wirken Gottes. Das ist etwas, was unser Vermögen übersteigt. Wir können Wasser nicht in Wein verwandeln. Aber Gott kann es. Er macht uns völlig neu in Seiner Gnade, die uns Sein himmlischer Sohn verdient hat.
Der heilige Paulus mahnt uns. Wir tragen diesen kostbaren Schatz in irdenen Gefäßen. Der mit Wein gefüllte Krug kann zerbrechen, so lange wir auf Erden sind. Die heiligmachende Gnade ist das Kostbarste was wir besitzen.
Möge Gott uns auf die Fürsprache Mariens hin immer bewahren, damit wir am ewigen Hochzeitsmahl teilhaben können, voll des göttlichen Weines. Amen.

Herr unser Gott. Auf der Hochzeit zu Kana hat dein Sohn Wasser zu Wein verwandelt. Wir bitten dich:
Mache uns zu göttlichen Menschen, die deine Liebe und Gnade in sich tragen. Gott unser Vater...
Laß uns die Verbindung von Natur und Übernatur in unserem Beten immer tiefer erfahren. Gott unser Vater...
Tröste alle Leidenden und Kranken mit dem Wein deiner Gnade. Gott unser Vater...
Führe alle Verstorbenen zum Hochzeitsmahl ewiger Freude. Gott unser Vater...
Himmlischer Vater. Wir danken dir für das Geschenk deiner Gnade. Dir sei Lob und Preis durch Christus unseren Herrn. Amen.

von Pfr. Michael Roos

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Ansprache von Generalvikar Giebelmann am 29. Februar 2008
anlässlich des Requiems für Msgr. Pfarrer Beichert


Liebe Mitbrüder im geistlichen Amt,
liebe Angehörige von Pfarrer Beichert,
liebe Gemeinde,

anlässlich des Requiems und der Beisetzung von Monsignore Pfarrer Karlheinz Beichert darf ich Ihnen das herzliche Beileid und das Mitgefühl unseres Bischofs, Karl Kardinal Lehmann, überbringen.

„Manchmal, so sagte einmal Karlheinz Beichert, hat man mir das zum Vorwurf gemacht: Ich würde alles zu optimistisch sehen.“ Doch dies war sein Leitsatz. In jedem Ende steckt ein neuer Anfang, man muss nur den Faden finden, damit es weitergeht. Doch gerade dieses Prinzip, in der Dunkelheit noch Licht und in der Asche nach Funken zu sehen und im Winter den Frühling zu spüren, hat Karlheinz Beichert für sich ganz persönlich überleben lassen und ihm die Kraft gegeben, anderen Trost zu schenken.

Es war kein naiver Traum, es war Gottvertrauen, das ihn befähigte an eine gute Zukunft zu glauben. Und dieses Gottvertrauen hat ihn dazu geführt Priester zu werden.

Karlheinz Beichert, Jahrgang 1919, der gleich nach dem Abitur und dem Arbeitsdienst zur Wehrmacht eingerufen wurde und der den Krieg bis zum Ende erlebt, der anschließend in Gefangenschaft geriet, der als ganz junger Mensch unsagbares Leid erfuhr, der erlebte, wie Gleichaltrige oder Gleichjunge starben, in Schützengräben verendeten, der Verletze versuchte zu bergen, der mit der Absicht in den Krieg gezogen war, anschließend Jura zu studieren.

Er kam als Seminarist aus der Kriegsgefangenschaft zurück, er ging ins Priesterseminar, weil er der festen Überzeugung war, dass nur der Glaube an den einen Gott, der alle Menschen als Brüder und Schwestern zusammenführt, fernab jeder Ideologie, der Welt Heil geben und die Wunden heilen und die Völker versöhnen kann.

„Ich wollte zeigen, dass sich selbst aus dem Negativen, selbst aus den Ruinen noch etwas Gutes gestalten lässt“, waren seine Worte. Wer Karlheinz Beichert verstehen wollte und will, muss ganz weit hinuntersteigen. Irgendwann findet er seinen Vater, den Küfermeister, und die Gastwirtschaft in Dorn-Dürkheim. Wir sehen Karlheinz Beichert mitten unter den lachenden Menschen und die hier erfahrene Freude musste einfach ansteckend sein.

Nach der Priesterweihe im Mainzer Dom am 27. Februar 1954 und vier Kaplansjahren in Weisenau und Kastel wurde er Pfarrer in St. Georg in Rüsselsheim. Es war die Zeit, als der damalige Kaplan Klaus von Landenberg, als die Pfarrer Tölg und Kalteyer sich gemeinsam mit Karlheinz Beichert aufmachten, eine expandierende und aufstrebende Industriestadt für die Kath. Kirche zu erschließen und neue pastorale Strukturen miteinander aufzubauen.

Es entstanden zu dieser Zeit in Rüsselsheim neue Stadtteile mit heute neuen sozialen Problemen, es entstand eine blühende Autoindustrie mit heute neuer Zerbrechlichkeit, Fremde kamen auf der Suche nach Arbeit, ausländische Gemeinden entstanden, die Betriebsseelsorge erwuchs – und alle diese Aufgaben bestehen fort und sind an die Nachfolger mit hoher Anforderung weitergegeben worden.

Kontakte zu französischen Arbeitspriestern gaben die Anregung für eine Priestergemeinschaft auf örtlicher Ebene, die für Karlheinz Beichert wichtig war, und seine Freude an dem Prado hat ihn bis zum Tod begleitet.

25 Jahre war Karlheinz Beichert Dekan des Dekanates Rüsselsheim, immer wieder gewählt, alle wussten, er half die Gemeinden zusammen zuführen, genauso wie er Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in seiner freundlichen Beständigkeit zusammenführte.

Er war Sekretär und Sprecher der Dekanekonferenz, er war Mitglied im Priesterrat, in der Diözesanversammlung, im Pastoralrat – sein Wort hatte Gewicht, seine Meinung hatte Geltung.

Im Jahre 1995 wurde er mit 75 Jahren als Pfarrer in Rüsselsheim, St. Georg verabschiedet. Damals hieß es auf der Einladung zu seiner Verabschiedung:
„Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.“

Hier im Pfarrhaus in Dittelsheim-Heßloch kehrte er in seine Wurzeln zurück, Frau Fischer, seine Haushälterin, hat ihn mit großer Sorge begleitet, auch ihr sei ein herzlicher Dank gesagt.

„Höre nie auf anzufangen“ so hieß es, oder kehren wir zum Anfang zurück: „In jedem Ende steckt ein neuer Anfang“ Msgr. Pfarrer Karlheinz Beichert, Monsignore war er inzwischen durch die Ehrung von Papst Johannes Paul II. geworden, genauso wie Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenbürger dieser Stadt. War im Ruhestand nicht im Ruhestand, er war gar nicht zur Ruhe zu bewegen. Er half mit in der Seelsorge dieser Gemeinde, in den Gottesdiensten, in der Katechese und in der Seelsorge für die Menschen. Er konnte und wollte sich nicht schonen, er musste sich verausgaben. An Weihnachten hat er, weil er es so wollte, noch zweimal zelebriert, dann waren seine Kräfte erschöpft und es begann die Phase des Sterbens.

Es gab einen Lieblingspsalm, der ihn begleitet hat und den er in der letzten Stunde vor seinem Tod gebetet hat: Wir können es nur ahnen, wie oft Karlheinz Beichert in seinem Leben als Priester gebetet hat: „Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir bis du kommst in Ewigkeit“.

Wir können es nur ahnen, wie viele Menschen er in den Tod hinein begleitet hat, und wir wissen, wie sehr er Seelsorger mit Leib und Seele war. Notfallseelsorger, Begleiter in den Tod hinein. Zum Sterbenden gerufen zu werden war für ihn die wichtigste priesterliche Aufgabe. Hier erfuhr er selbst in aller Verausgabung Kraft, und so musste er es annehmen wie seine Kräfte schwanden und wie er das Leben loslassen musste.


Ein ganz herzlicher Dank gilt allen, die ihm dabei geholfen haben, besonders den Schwestern der Bruder-Konrad Hilfe in Mainz.

„Du Herr gabst mir das Erbe und reichst mir den Becher, du hältst mein Los in deinen Händen. Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu, das Land ist ihm verheißen, das Paradies ihm geschenkt, dies ist unser Glaube.“


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Predigt am St. Sebastianusfest 2010 von Pater Ludger Fortmann Prior des Dominikanerklosters in Worms

Liebe Schwestern und Brüder, was kümmert uns unser Geschwätz von gestern? - so sagen wir schnell. Was kümmert es uns, was Generationen vor uns sagten, versprachen oder für wichtig hielten? Geschwätz von gestern! Wir leben im Heute, in den Realitäten unserer Zeit, in den Herausforderungen unserer Tage - da kann man doch nicht laufend zurück schauen!
Und in der Tat: zunächst kann einem die Feier des Gelobten Tages heute am Sebastian-Fest ja auch etwas unzeitgemäß, etwas unpassend vorkommen.
Der Anlass ist schließlich fast 350 Jahre her, die damals so gefürchtete Krankheit, die Pest, bedrängt uns heute nicht mehr, die betroffenen Menschen von damals sind uns heute nicht einmal mehr vom Namen bekannt.
Also: Was kümmert uns das Versprechen von damals, wir leben heute!
Da gibt es doch genügend Sorgen und Lasten, die es zu tragen gilt.
Und sogar Jesus scheint uns im Evangelium dabei Recht zu geben: Sorgt euch nicht so sehr, jeder Tag hat genug eigene Plage. Sicher: Er schaut dabei nach vorne, auf den morgigen Tag - um so mehr gilt es doch wohl für die Rückschau in die Geschichte. Sorgt euch nicht darum. Lebt im heute - da geschieht genug, was drängt.
Liebe Schwestern und Brüder, so reden die Pragmatiker, die Rechner, die Kalkulierer. Bei denen geht es um messbare Erfolge, um das Machbare, um die Geschäftsbilanz. Es geht um die Frage: Lohnt sich der Aufwand?
Jesus geht es aber um etwas ganz anderes: Es geht ihm um eine Lebenshaltung des Menschen! Das Thema, das Jesus in seiner Rede anschlägt und dem er nachgeht, ist die Frage, was unabhängig vom täglichen Alltagsgeschäft der tragende Grund meines Lebens ist.
Was gibt meinem Leben die letzte Tiefe, den letzten halt, wenn alles andere einmal weg bricht? Und er nennt die Alternativen: Geld - oder Gott? Trägt mich im letzten, in der Tiefe meines Herzens die Aussicht auf Gewinn, auf Ansehen, auf eine bessere Rendite - oder aber Gott, der Allmächtige, der Schöpfer des Lebens.
Der Pragmatiker setzt auf das Geld, das kann man zählen, damit kann man wirtschaften, da hat man was zwischen den Fingern. Jesus nun wirbt darum, sein Leben Gott anzuvertrauen, denn, so zeigt er, Gott meint es gut mit einem. Dafür gibt es Beispiele: die Lilien, die Vögel des Himmels. Vertraut euch und euer Leben Gott an - er sorgt für euch mit allem, was wirklich nötig ist. Er ist auch da, wenn Geld nicht mehr zählt.
Jesus meint damit nicht eine Art Schlaraffenland; wo einem, wenn man nur Gottes Namen anruft, die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Jeder Tag hat seine eigene Sorge - das sagt Jesus sehr deutlich. Und dazu gehört all das, was uns Sorge bereitet: hier bei uns die Sorge um den Arbeitsplatz, um die Gesundheit, um die Möglichkeit, die Familie und die Kinder gut ernähren und versorgen zu können, um die Umwelt.
All das sind Sorgen, die uns belasten, und die der Glaube an Gott auch nicht einfach abschaltet oder löst, sondern sehr ernst nimmt.
Mit diesen Sorgen kommen wir hier in die Kirche - so, wie Menschen seit zweihundert Jahren hierher in die Kirche kommen, um vor Gott ihr Herz auszuschütten. Ich finde es immer wieder beeindruckend, sich das bewusst zu machen: wie viele Menschen haben hier, in diesem Raum schon gebetet? 
Wie viele Tränen wurden hier schon vergossen - aus Freude bei einer Taufe oder einer Trauung, aber auch aus Trauer, aus Wut, aus Verzweiflung, aus Angst?
Wie viele Lebensgeschichten und Lebenssituationen haben hier in diesem Raum einen Ort gefunden. Sorgen und Mühen des Lebens, die diesen Ort zu einem heiligen Ort machen - heute wird uns das vielleicht bewusst, wo wir ja zurückschauen in die Geschichte.
Jesus also schaltet diese Alltagssorgen und Lebensmühen nicht einfach aus - das wäre ja lebensfremd. Aber er sagt: Bei all diesen Sorgen könnt ihr darauf vertrauen, dass Gott euch trägt und hält. Er weiß von euch - und das, worauf es wirklich ankommt, das gibt er euch, das könnt ihr eh nicht selber machen.
Was kümmert uns das Versprechen von vor 350 Jahren - ich glaube, dass es damals, in einer echten Notzeit, um eine solche Grundentscheidung ging: Wem vertrauen wir unser Leben an. Und die Menschen merkten: uns sind alle Möglichkeiten aus der Hand genommen. Wir können hier nicht handeln und verändern - gegen die Pest haben wir nichts in der Hand. Aber wir können uns Gott anvertrauen und deutlich machen: Auf Dich setzen wir. Du bist derjenige, der unsere Not zum Guten wenden kann. Du bist derjenige, der uns trägt und hält.
Seit vielen, vielen Jahren erinnert diese Gelobte Tag in dieser Gemeinde daran: Wenn Dir alles aus den Händen genommen ist, wenn du nichts mehr machen kannst - dann erinnere dich daran, dass vor allem Handeln und allem Bemühen Gottes Sorge und Liebe steht. In diese könne wir uns hineinfallen
lassen. Und bei allem, was wir heute können, technisch oder medizinisch - Situationen, in denen wir uns ohnmächtig aus¬geliefert empfinden, gibt es doch zuhauf: Auch heute gibt es Krankheiten, die wir nicht beherrschen können, denen wir uns ausgeliefert fühlen und die uns den Boden unter den Füßen wegzuziehen scheinen. Das Alleinsein vieler Menschen; die Liebe und die gelungene Partnerschaft, nach der sich viele sehnen, aber die so selten zu gelingen scheint. Schließlich das Alter, der Lebensabend, die Situation, sein Leben aus den Händen geben zu müssen.
In all diese Situationen hinein spricht der gelobte Tag die Einladung und Aufforderung: Vertraue darauf, dass Gott dich hält. Bei aller Not deines Lebens: Gott schaut dich an, er liebt dich und trägt dich. Und von dieser Liebe Gottes, die er uns in Christus bis in den Tod hinein gezeigt hat, kann uns, an dich niemand scheiden.

Der gelobte Tag heute - festlich begangen - ist also nicht nur ein nostalgischer Blick zurück. Er ist eine Erinnerung an uns heute, sein Leben in Gottes Hände zu legen - so wie das Generationen vor uns schon taten. In der schnelllebigen Zeit sind solche Erinnerungen, solche Erinnerungsorte und Erinnerungszeiten wichtig. Sie laden uns ein, innezuhalten, und zu fragen: Worauf setze ich meine Hoffnung? Woraus lebe ich? Was trägt mich?
Sich dieser Frage zu stellen - und damit sein Leben wieder neu zu festigen, neu zu verorten - dazu lädt der Gelobte Tag uns ein, dazu lädt aber natürlich auch jedes Kirchengebäude ein. Es ist ein Fingerzeig zum Himmel, sich wirklich erinnern zu lassen: Schau dir die Vögle des Himmels an. Sie ernten nicht, sie säen nicht, aber der himmlische Vater ernährt sie doch! Denn Gott liegt etwas an uns, ihm liegt etwas an Dir und mir. Vertrau dich ihm an - dann darfst du dich in den Sorgen deines Lebens gehalten und getragen wissen. Amen.

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Predigt aus Anlass des 200. Jahrestages in Heßloch am Sonntag, 2. Mai 2010
von Weihbischof Dr. Werner Guballa

Ich habe Euch zuerst geliebt – deswegen liebt einander, so wie ich es auch tue!

Gerne bin ich heute morgen hierher, in das mir von vielen Besuchen her, vertraute Heßloch gekommen.
Zunächst bringe ich die Grüße unseres Bischofs Karl Kardinal Lehmann mit.
Er hat sich sehr gefreut über die Einladung die sie ihm zukommen ließen. Er hat aber auch frühzeitig um Verständnis gebeten, dass er dieses Fest und diesen Gottesdienst am heutigen Sonntag nicht mit ihnen feiern kann. Es werden eine Fülle von Anfragen und Anforderungen an ihn gestellt, und er muss nach dem Maß seiner Möglichkeiten auch haushalten mit seinen Kräften zum einen, zum anderen auch schauen, dass er erst einmal dahin geht, wo er schon lange nicht war. Bei ihnen war er vor drei Jahren zur Altarweihe, so dass er sich sicher war, dass sie Verständnis haben werden, wenn er heute morgen an anderer Stelle im Bistum wirkt.

Es war für mich sehr bewegend zu verspüren, wie sehr sie an ihrer Kirche hängen. Dieses Mitgestalten am Gotteshaus, das Mitüberlegen wie der Gottesdienstraum aussehen soll, hat in dieser Gemeinde Tradition. Es ist nicht nur Ausdruck ihrer Lebendigkeit aus jüngsten Tagen, als es um die letzte Renovierung und Gestaltung dieser Kirche ging, sondern es ist Zeugnis der Geschichte in Stein gebaut mit diesem Gotteshaus.
Als dieses am 16. September 1810 benediziert wurde, da konnte man schon damals nur mit bescheidenen Mitteln diese Kirche bauen, aber es war wichtig, dass die 10800 Gulden die bereit standen, deutlich machen konnten, wir haben wieder eine Kirche, wir haben wieder ein Dach über dem Kopf, einen Ort wo Gott und Mensch sich begegnen können.

Die Zeitumstände, als diese Kirche gebaut werden konnte, waren mehr als widrig. Das früher so angesehene, reiche und mächtige Erzbistum Mainz war aufgelöst, die kirchlichen Güter waren eingezogen, Bischof Colmar, der erste Bischof nach den Erzbischöfen von Mainz, ging sozusagen am Bettelstab. Sie haben ihn jedoch als Gemeinde ermutigt, in dem sie mit dem was möglich war, Kirche gebaut, das Gotteshaus aufgebaut und so Gemeinde gesammelt und aufgebaut haben.
Mit dem Weihetag feiern wir auch den Geburtstag der jetzigen Kirche. Wir wissen von den Vorgängerinnen, die urkundlich erwähnt sind, und kommen aber auf dem Weg der Geschichte zu der Erkenntnis, dass nicht für das Bauwerk allein diese Gemeinde dankt. Sie dankt vielmehr für ein Haus aus lebendigen Steinen, für Menschen aus der Geschichte dieser Gemeinde und für Menschen, die in der Gegenwart das Leben von St. Jakobus und St. Sebastian prägen.

Wie viele sind in dieser Kirche im Laufe der letzten 200 Jahre getauft worden, sind hier zur Erstkommunion gegangen wurden hier gefirmt, haben sich im Sakrament der Ehe das Jawort gegeben, wie viele empfingen hier das Bußsakrament und feierten als Neupriester hier ihre Primiz, wie Karl-Heinz Beichert, Pater Franziskus Ruppert und Thomas Hoffäller.
Somit ist diese Kirche ein Ort an dem Heil geschieht, an dem Gott seine Heilszusage, dem Menschen nahe zu sein, ihnen auf ihrem Weg auch Stärkung und Kraft zukommen zu lassen, einlöst.
Die Kirche legt Zeugnis ab für Freude und Leid der Menschen. Haus Gottes unter den Mensche ist sie, Haus Gottes für die Menschen. Als sie vor 200 Jahren eingeweiht wurde, war sie ein Zeugnis des Glaubens nach innen und nach außen. Nach einer Zeit großer politischer Wirren war es wichtig, dass die Menschen nicht nur recht und schlecht über die Runden kamen, sondern dass sie, gerade weil viele in einer großen materiellen Armut lebten, nicht auch noch geistig und geistlich verarmten. Daher war es wichtig, dass die Menschen eine geistliche Heimat hatten. Denn der Glaube braucht einen Ort, an dem der Urheber unseres Glaubens, der Heilige Geist, uns als Gemeinschaft der Glaubenden zusammenführt.
Die Kirche ist aber auch ein Zeugnis nach außen. Sie hat eine prägende Gestalt in der Gemeinde Heßloch. In jeder Eucharistiefeier heißt der Auftrag am Ende: „Geht Ihr seid gesendet!“ Das heißt: Geht und gebt Zeugnis von eurem Glauben, dort wo ihr lebt.
Das Zeugnis des Glaubens kann nicht in den vier Wänden einer Kirche bleiben; es muss nach außen getragen werden, muss hingetragen werden zu den Menschen, für die Christus das Evangelium, die „Frohe Botschaft“, das Wort vom Leben bestimmt hat.
Ein solches Zeugnis braucht auch Zeichen. Ein Kreuz gehört auf das Dach einer Kirche, und wenn auf den Fluren und in den Weinbergen ein Kreuz steht, dann erinnert es uns daran, dass Gott der Geber aller guten Gaben ist, und dass die größte Gabe sein eigener Sohn ist, einfach so, einfach aus Liebe.

„Liebt einander, so wie ich Euch geliebt habe!“
So haben wir gerade im Evangelium gehört. Ist das nicht auch eine Botschaft für unsere Welt und für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft? Denn die Liebe von der Christus spricht, umfasst nicht nur die eigenen Glaubensgenossen, sondern umfasst einen jeden Menschen, wo immer er lebt, weil wir in ihm ein Ebenbild Gottes, den Bruder und die Schwester erkennen, die in Gott ihren Ursprung haben. Hass, Intoleranz und Gewalt erfahren wir in unserer Welt weiß Gott genug. Die blutigen Kriege sprechen eine deutliche Sprache.
Dass wir aber das Kreuz auch im öffentlichen Raum an seinem Platz lassen, weist auf die Grundlagen unserer Verfassung hin. Die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes haben aus der leidvollen Erfahrung der Geschickte unseres Volkes mit Bedacht auf die christlichen Wurzeln unseres Gemeinwesens verwiesen.
Dass eine Kirche die mehr sein soll, als nur ein architektonisch bemerkenswertes Gebäude, ein gutes Fundament braucht ist klar.
Das eigentliche Fundament dieser Kirche ist der Glaube, der in der Gemeinde hier lebt und der getragen ist, durch das Zeugnis vieler Einzelner, auch durch das Engagement derer, die ehrenamtlich so vieles hier in der Gemeinde in Heßloch und in der ganzen Pfarrgruppe lebendig halten. Angefangen bei den Räten und bei vielen anderen Initiativen, Gruppen und Kreisen. Alle sind sie in den großen Dank dieses Gottesdienstes einbezogen.
Als diese Kirche gebaut wurde hat Gott gesagt: „Hier ist ein Haus, in dem ich für Euch zu Hause bin! Hier bin ich wie ein Freund unter Menschen, ein Freund, der ein Eckstein ist, auf dem das Leben sein Fundament legen kann! Der Eckstein bleibt unerschütterlich treu, auf ihn kann gebaut werden!“
Weil Christus hier an diesem Ort zu Hause ist, verkünden wir mit dieser Kirche Tag für Tag, dass kein Mensch der geboren wurde, einfach wieder ins Vergessen fallen wird. Nein, wenn wir aus der Kirche herauskommen, betreten wir den Kirchhof und bekennen mit dem Blick auf die, die dort beerdigt sind, dass nichts von ihrem Leben verloren geht was für die Ewigkeit bestimmt ist. Davon zeugt diese Kirche, die mehr ist als nur ein Werk von Menschenhand. Sie ist ein Fingerzeig Gottes mit seinem Turm und dieser Gott will, dass unser Leben gelingt und er verspricht, dass dieses Leben auch im Tod nicht scheitern wird.

An keinem Ort wird größeres verkündet als in dieser Kirche. Deswegen ist es gut, in einem Jubiläumsjahr nicht nur zurück zu blicken auf die letzten 200 Jahre und mit dem Blick der Wehmut zu sagen, dass früher alles besser gewesen sei, dann täten wir unseren Vorfahren unrecht. Nein, diese haben in die Zukunft geblickt, um uns den Glauben weiter zu geben und die gleiche Aufgabe haben wir auch. Wir dürfen unseren Kindern das Wertvollste nicht vorenthalten das es gibt, den Glauben nämlich der besagt, das Gott mitten unter uns ist, das sein Sohn uns Tag für Tag begleitet, das die Mutter Gottes, der Hl. Jakobus, der Hl. Sebastian, die Heiligen, Agnes, Barbara, Christina von Bolsena, Lucia, Ursula von Köln, Margarethe, Cäcilia, Katharina von Alexandrien, Dorothea, die alle auf dem Altarbild in dieser Kirche abgebildet sind, zusammen mit einer unzählbaren Schar von Heiligen uns begleiten und unsere Fürsprecher sind.

Deswegen sagen wir heute Dank an Gott, der so wunderbar an uns handelt und an die Menschen. Wir danken allen, die mit uns leben, die hier Gemeinde aufbauen, die durch ihren Dienst in der Gemeinde, an welcher Stelle und welcher Art auch immer, einen Dienst am Leben der Menschen leisten im Namen und Auftrag dessen der gesagt hat: „Ich habe Euch zuerst geliebt – deswegen liebt einander, so wie ich es auch tue!“
 



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Festpredigt zum „Gelobten Tag“ am 20.01.2011 in Hessloch, von Diakon Reinhold Lang

Liebe Pfarrgemeinde!
 Ich freue mich, diesen Festtag mit Ihnen zusammen feiern zu dürfen.
Herzlichen Dank, lieber Herr Pfarrer Roos, für die Einladung , die Festpredigt zu halten.

Der Heilige SEBASTIAN
Wie oft trifft man auf eine Statue oder ein Bild von ihm? 
Sebastian wurde und wird viel verehrt.
Um 1660 und 1670 beteten die Menschen während der Pestzeit in ihrer Not und Verzweiflung zum hl. Sebastian und gelobten, jedes Jahr am 20. Januar zu seinen Ehren einen Festgottesdienst zu feiern.
Gott erhörte sie auf die Fürbitte des hl. Sebastian und ließ die Seuche zurückgehen.

Liebe Schwestern und Brüder:
Kann uns der hl. Sebastian auch heute noch etwas sagen?
Ist das Leben des hl. Sebastian, seine Weise Christ zu sein und christlich zu leben, für uns heute noch aktuell und relevant?
 Sie kennen alle, auf Grund der langen Tradition, seine Lebensgeschichte
In früher Jugend war Sebastian Christ, war Hauptmann der Prätorianergarde, der Leibgarde des Kaisers.
In Rom waren damals Korruption, Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch an der Tagesordnung, nicht jedoch bei Sebastian. Das verschaffte ihm Respekt, ja Hochachtung.
Als Offizier hatte Sebastian freien Zutritt zu allen Gefängnissen.
Er nutzte dieses Privileg, um – wie wir heute sagen würden – seinen Mitchristen Hafterleichterung zu verschaffen und ihnen in den Gefängnissen Roms beizustehen. Er sprach ihnen Mut zu.
Außerdem überzeugte er römische Adlige durch seine Lebenshaltung, ebenfalls Christen zu werden.
Sebastian wurde – sozusagen wegen subversiver Tätigkeit gegen die Staatsgewalt – inhaftiert und zum Tod durch Erschießen verurteilt.
Christen, die ihn begraben wollten, stellten fest, dass er noch am Leben war , Sebastian wurde wieder gesund gepflegt. Sebastian war nicht nur nicht tot - er war auch nicht eingeschüchtert und auch nicht mundtot gemacht.
Als er sich erholt hatte, so erzählt die Legende, sei er dem erstaunten Kaiser entgegengetreten und hielt ihm Folter, Mord und all seine Grausamkeit offen und schonungslos vor. Kaiser Diokletian ließ seinen Kritikern totschlagen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn ich das Leben des hl. Sebastian so anschaue und auf mich wirken lasse, dann fallen wir einige ganz markante Dinge auf:
Ein Erstes: Sebastians Unbestechlichkeit und Zuverlässigkeit. Korruption machte er nicht mit.
Für Betrug und Fälschung war er nicht zu haben. Amtsmissbrauch gab es bei ihm nicht.
Merken Sie wie aktuell dieser Heilige ist?
Kann das Leben des hl. Sebastian uns in unserer Zeit, wo Schmiergelder und Betrügereien im Kleinen und im Großen an der Tagesordnung sind, nicht eine Mahnung sein, ein christlicher Maßstab und Korrektiv?
Kann es uns nicht Orientierung sein, wie wir ohne Falsch, ohne Tricks und ohne Gaunereien,
sondern mit sauberen Händen unseren Alltag anständig und lauter bewältigen können?

Ein Zweites:
Sebastian hat die Liebe geübt. Er hat Menschen im Gefängnis besucht und ihnen geholfen.
Er hat Güte gewagt und Notleidenden Barmherzigkeit erwiesen.
Für mich ist der hl. Sebastian vor allem ein Heiliger der Nächstenliebe. Sebastian hat ernst gemacht mit dem Wort Jesu:
„Ich war krank und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen...
Was ihr der geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“
Ich denke, Gott wird uns genau das fragen: Wie hieltest Du es mit der Nächstenliebe.
Gefragt ist auch heute Liebe, die dem Menschen als Menschen begegnet, mitfühlend, tröstend, aufrichtend, rettend und heilend.
Gefragt ist Liebe als Gegenteil von purem Egoismus, Hartherzigkeit, Gleichgültigkeit, Habgier und Geiz.
Gefragt ist die Liebe des barmherzigen Samariters, eine Liebe, die hilft, wo Hilfe nötig ist.

Wenn Sie mich nach dem wichtigsten Werk der Barmherzigkeit heute fragen, dann würde ich sagen:
Zeithaben und Zuhören! Merken Sie, wie zeitgemäß und auch herausfordernd Sebastian bis heute für uns ist?
Sebastian versteckte seinen Glauben nicht.
Er gewann durch seine Art, mit Menschen, die in Not sind, umzugehen,
andere für den christlichen Glauben.
Mutig und unerschrocken trat er sogar dem Kaiser entgegen.

Verstecken wir unseren Glauben nicht allzu sehr im Privatbereich?
Warum treten wir nicht entschiedener als Christen auf
und geben Zeugnis von dem, was unsere Hoffnung ist?
Schauen wir jetzt nicht auf die Amtsträger und die Hauptberuflichen in der Kirche,
als könnten wir so uns die Herausforderung vom Leib halten.
Sebastian war ja nicht Diakon, Priester oder Bischof.
Er hatte einen ganz weltlichen Beruf.
Und trotzdem hat er durch sein Wort, besonders aber auch durch sein überzeugtes Christenleben andere auf den Glauben aufmerksam gemacht und zum Glauben hingeführt.

Ein Mitglied des PGR hat mir gesagt: Wir haben jetzt vier Fachleute in unserer Gemeinde.
Da muss ich nun widersprechen: Fachleute sind alle Christen, durch die Taufe dazu ermächtigt und befähigt,
den Glauben durch ihr Leben zu bezeugen.. Und wenn ich als „Neubürger“ erlebe, was die sog. Laien hier in der Pfarreiengemeinschaft so auf die Beine stellen...
Gott sucht auch heute Menschen, die von ihm sprechen und seine gute Botschaft weitersagen.

Gott braucht auch heute Menschen, die sich gesandt wissen,
Zeugen der Wahrheit und Boten der Liebe zu sein,
Salz der Erde und Licht der Welt.
So wie Sebastian.

Das Leben des hl. Sebastian hat nichts an Aktualität eingebüßt.
Heute sein Fest feiern, das heißt, sich berühren und durchdringen lassen vom des Evangeliums, von der Begeisterung für Jesus.
Heute das Fest des hl Sebastian feiern, das heißt, sich anstecken lassen von der Gesinnung, die in ihm war,
die Gesinnung der Barmherzigkeit und der Liebe.
Nicht nur reden von Solidarität, sondern tun der Solidarität!
Heute das Fest des hl. Sebastian feiern, das heißt, sich des Glaubens nicht schämen, sondern Mut haben, als Christ in der Öffentlichkeit seinen Mann und seine Frau zu stehen. Den Glauben bezeugen in Wort und Tat!
Gefragt sind Frauen und Männer in der Kirche, denen man – wie dem hl. Sebastian – anmerkt, dass sie erfüllt sind von Gottes Geist, erfüllt von Jesu Grundgebot: Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst.
Gefragt sind Menschen, die Zeugnis geben von der Zuversicht, die sie trägt vom Vertrauen das sie prägt, von der Sehnsucht, die sie bewegt, von Gott, der zu uns steht und mit uns geht und der uns hält über den Tod hinaus.

Und so dürfen wir bitten: Sebastian, komm wieder! Komm wieder in Menschen, die gesinnt sind wie du, die handeln wie du,
die leben wie du! Komm zu uns! Sporne uns an, ermutige uns, beseele uns.
Hilf uns, nicht nur Christen zu heißen, sondern es wirklich zu sein.
(1030)
( nach Ideen von Pater Pius, Kloster Zell am Harmersbach )
 

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Predigt zum „Kirchweihtag“ am 04.09.2011 in Hessloch, von Diakon Reinhold Lang

Eine Kirche im Zentrum des Dorfes, das ist uns ein vertrauter Bild, wenn wir über Land fahren.
Anheimelnd irgendwie, harmonisch ist das Dorf um die Kirche herum gruppiert.
Man kann sagen, das sind Nebensächlichkeiten.
Ja.
Und bringt es eine gewisse Symbolik: Mitten unter uns: Gottes Wort.
Vor vielen hundert Jahren haben Menschen hier in Hessloch eine Kirche gebaut.
Leben und Arbeit sollten auszeichnet werden durch Gottes Wort.
Es sollte unter den Menschen hier anwesend sein.
Man hat sich lenken lassen durch den Schlag der Glocke in seiner täglichen Arbeit.
Man hat verstanden: Gott ruft, wenn die Glocken mehrmals am Tag zu Gebet und Gottesdienst einluden.
Wir erleben aber eine Zeit, in der Kirchen verkauft werden, weil keiner mehr hingeht,
oder weil man den Renovierungskosten und/oder die Energiekosten nicht mehr bezahlen kann.
Man wird sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass Kirchen da und dort „profaniert“ werden.
Dies ist natürlich auch ein Symbol für eine Zeit, die Gott einfach vergisst.
Und das andere gibt es auch, dass die Kirchen zwar mitten im Dorf stehen,
aber das Leben drum herum sich abspielt, als wäre sie nicht da.
Und das gibt es auch: Es gibt Kirchlein im Dorf, die nur alle 4 Wochen für die Eucharistiefeier oder einen Wortgottesdienst geöffnet sind, weil ein Pfarrer zu viele Kirchen in seinem Gebiet zu „versorgen“ hat.
So wird das Vergessen gefördert, die Unverbindlichkeit, Werte verwischen sich und werden beliebig.
Jeder, der meint, ein Leben ohne Gott leben zu wollen, zerrt bildlich gesprochen einen Stein aus der Kirche, ich würde sogar behaupten, er reisst sogar einen Stein aus dem Fundament seines Lebens.

Der Ruf dieses Tages muss dann sein: Lasst die Kirche im Dorf.
Lasst die Kirche mitten im Leben, in Eurem Leben.
Mancher versucht ja zu differenzieren zwischen den Bedeutungen des Wortes ’Kirche’, wie wir es gebrauchen.
 „Ich gehe in die Kirche“ kann heißen: Ich besichtige das Gebäude, oder: ich gehe zum Gottesdienst.
„Ich bin in der Kirche“ kann aber auch heißen: Ich gehöre zu den Christen, zu den Christen im Bistum Mainz,
zu einer Gemeinschaft derer, die zu Jesus halten: da gehöre ich dazu.

Im innersten Kern ist Kirche nach den Worten Jesu da,
wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Das verspricht uns Jesus Christus.
Und doch: so wie unsere Gefühle Worte und Zeichen brauchen, um Wirklichkeit werden zu können,
so braucht unser Glaube Räume, Worte und Zeichen, um sich entfalten zu können.

So hat man schnell in der jungen Christenheit Orte geschaffen, an denen die Gottesbegegnung ihren Platz hat.
Man hat es getan zum Lobe Gottes und um der menschlichen Schwäche des Vergessens des Glaubens im Alltag vorzubeugen.

Unsere Firmlinge fragen manchmal: ”Wie oft müssen wir zur Messe?” Und die Regel heißt eigentlich: jeden Sonntag.
Unsere Firmlinge fragen so, weil sie erleben, dass es offensichtlich sehr wohl Sonntage ohne Gottesdienst gibt,
wie in Frettenheim, Dorn Dürkheim, Monzernheim.

Die Firmlinge erleben, dass es eine der besonderen Aktivitäten der Vorbereitungszeitzeit ist,
wo man halt oft in die Kirche zu gehen hat.
Andere müssen das anscheinend nicht, die Eltern nicht, viele der kath. Christen in hier St. Jacobus nicht.

Aber liebe Gemeinde, die Frage ist nicht: ”Wie oft müssen wir in den Gottesdienst?”
Die Frage ist vielmehr: ”Was versäume ich, wenn ich nicht zum Gottesdienst in unsere schöne Kirche gehe?

Kann, will, darf ich es mir leisten, die Begegnungsstunde mit Gott einfach zu versäumen?”
In dieser Stunde bekomme ich soviel geschenkt: Ich bin angenommen, wie ich bin.
Hier brauche ich nicht blenden, oder eine Rolle spielen.
Ich bin Gott lieb, so wie ich bin, mit allen seelischen Verletzungen und Schwächen,
mit allem Zweifel und allen Fragen und mit meinem unsicheren Glauben.
Ich kann zur Ruhe kommen und im Trubel des Alltags eine Oase des Friedens spüren in den alten Klängen,
in den Worten der Gebete, die meine Seele mitnehmen, wenn ihr die Worte fehlen.
Alles was hektisch war, wird verlangsamt, bekommt irgendwie den Rhythmus der Ewigkeit.
Unwichtiges bleibt zurück und das Wesentliche tritt in den Vordergrund.
Die Stimme Gottes möchte uns sagen: DU bist geborgen, hier bei MIR, an MEINEM Herzen.
Ich bin eingebettet in die Gemeinschaft der Glaubenden. Da sehe ich den oder die, von der ich so viel weiß.
Ich sehe plötzlich nicht mehr die vermeintliche Scheinheiligkeit, sondern einen Hauch Demut und das Bemühen, es besser zu machen. Ich sehe den oder die, bei denen soviel Leid in der Familie ist. Ich sehe die Tränen im Augenwinkel.
Und ich fühle mich ermutigt von solch tapferem Glauben, der meine eigenen Probleme klein werden lässt.
Ich werde einbezogen in das gemeinsame Sprechen der heiligen Worte und sie entfalten ihre Kraft.
Trost spendend legen sie sich um meine Seele und transportieren meine Gedanken, meine Wünsche, meine Sorgen und meinen Dank, den ich beinahe vergessen habe, hin zum gütigen Ohr Gottes. Ob das die Christen wissen, die nicht zum Gottesdienst gehen?

Und der Pfarrer oder Diakon redet von Halt, Orientierung und Zukunft.
Und ich spüre, dass es das ist, was ich in meinen Alltag mitnehmen möchte. ”Ja, da bin ich getragen, wurde, werde ich getragen”.

Als Weisung höre ich:
so sollst Du als Christ leben: nachsichtig, friedliebend, barmherzig.Ich mache dann den Besuch, den ich so lange vor mir herschiebe.
Dabei mache eine neue Erfahrung, bin bereichert von einer Begegnung.
Immer habe ich den stillen Begleiter an der Seite, unseren Herrn Jesus Christus, der das alles bodenständig, erdverbunden hält.

Und ich gehe als Gesegneter. Wie ein Schutz legt sich der Segen um mich, und ich empfinde Sinn in meinem Leben,
als von Gott geliebter, gesegneter Mensch, der ein Segen sein soll und sein darf.

Also: Sagt es den anderen da draußen:
Lasst die Kirche im Dorf!
Nehmt Gott in die Mitte Eures Lebens!
Lasst Euch seine Zuwendung gefallen und nehmt sie möglichst oft in seiner sonntäglichen Sprechstunde in Anspruch!
Lasst Euch halten!
Lasst Euch den Weg zeigen!
Lasst Euch Gottes Zukunft schmackhaft machen!
 

 

 Festpredigt zum „Gelobten Tag“ am 20.01.2014 in Hessloch, von Pfarrer Maximilian Wagner

Schwestern und Brüder in Christus

Sie können nicht ahnen, welch große Bedeutung dieser Gelobte Tag für mich persönlich hat. Seine Bedeutung für mich liegt in einem Satz, den ich vor vielen Jahren in Abenheim, als dort der gelobte Tag ebenso gefeiert wurde wie hier, auf dem Altartuch lesen konnte: Nichts ohne dich mein Gott und nichts ohne uns! Das traf mich ganz tief und ich habe diese Worte nie mehr vergessen. Man nennt so etwas einen „Aha-Moment“ - und das war es für mich auch, weil mir schlagartig klar wurde, was es wirklich heißt katholisch zu sein. Nichts in unserem Leben soll geschehen ohne Gott und nichts auf dieser Welt darf geschehen ohne unser Mitwirken! Ein großartiger Gedanke, der uns klarmachen könnte, zu welch hoher Würde wir gerufen sind. Ein Gedanke, der nicht nur großartig, sondern, der auch sehr modern ist; die Mitwirkung und Mitgestaltung am Wohl und Wehe dieser Welt ist keine Erfindung der modernen Demokratie und ihrer derzeitigen Parteien, nein diese Auffassung ist durch unseren Glauben gewachsen. Gott schafft das Heil der Menschen und der Welt nicht alleine, sondern mit und durch uns, wir sind Mitarbeiter Gottes, verantwortlich für seine Schöpfung. Denkt man nun diesen hohen Anspruch weiter, dann könnte man durchaus kalte Füße bekommen: Ist das nicht zuviel, der Anspruch an uns zu hoch, können wir das überhaupt erfüllen? Weltlich nüchtern - wie ihn heutzutage viele nur noch sehen können - ist er sicher zu hoch angesiedelt. Von uns aus jedoch, d.h. von innen her, von der Kirche her gesehen ist er gemäß der Schrift und gemäß unserer geistlichen Tradition. Die drei Säulen unserer Kirche waren von Anfang an: Liturgia - Diakonia und Martyria! Das heißt: Unser ganzer Lebensinhalt, der Grund unseres Daseins ist die unverfälschte Verehrung unseres Gottes, unser Gottesdienst. Wir dienen Gott und Gott dient uns, d.h. wir holen unsere ganze Kraft für dieses Leben, für das Leben der Welt von Gott her, er ist die Quelle des Lebens. In der Eucharistie, in der Kommunion, in der Anbetung Gottes liegen alle Wurzeln unseres Tuns und Denkens. Hier erheben wir uns über die Niederungen unseres Alltags, hier schöpfen wir Atem, laden uns auf mit Energie, weil Gott selber uns immer wieder neu einlädt, uns nicht nach unten ziehen zu lassen, sondern bei ihm Halt zu finden, weil er uns trägt und hält. ln der Anbetung finden wir zu uns selbst, hier können wir uns auf unsere Gottesebenbildlichkeit besinnen, zur Ruhe kommen, um dann gestärkt hinaus in die Welt zu treten und als Gottes Mitarbeiter handeln - Diakonie am Mitmenschen und an der Welt: Was ihr einem meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan! Wir sind Christi Hände und Füße, wir sind Gottes Mund - wenn wir schweigen dann müssen die Steine schreien - mir scheint manchmal, dass es inzwischen bereits so ist- unsere Kirchen, unsere Dome reden mehr über unseren Glauben als wir selbst. Und damit wären wir bei der dritten Säule: Martyria - das Bekenntnis, das Zeugnis für den Glauben an den Gott, der uns trägt und hält. Dafür ist nun auch der hl. Sebastian ein großes Zeichen, nicht nur weil er ein Abbild ist für all die Widernisse, die unser Leben wie Pfeile treffen können, sondern vielmehr noch in seiner Treue und Standhaftigkeit, die er gezeigt hat. Wenn wir aufhören von unseren Gottesdiensten von unserer Liturgie zu schwärmen, davon anderen mitzuteilen, wie schön und erhebend das ist Gott, zu loben und zu danken, wenn wir aufhören, davon zu reden, wie tragfähig und helfend es ist, vor Gott in Anbetung zu versinken, wenn wir es unterlassen in der sog. Öffentlichkeit zu beten, die Zeichen unseres Glauben zu benutzen, dann kann unsere Mitwelt nicht mehr glauben oder zum Glauben finden, dann müssen wir eben damit rechnen, dass an die Stelle des Kreuzes andere Zeichen gesetzt werden - und wir alle wissen, die Zeichen der Zeit gehen in diese Richtung. Martyria - Bekenntnis, Zeuge für Gott zu sein, hat schon immer etwas gekostet, das gibt es nicht umsonst. Martyria muß jedoch nicht gleich Martyrium sein - aber es kann dazu kommen. ~ V A Deshalb ist gut, dass Sie mit der Tradition des Gelobten Tages an den Festen von gleich vier Märtyrern der Frühzeit begehen: der hll. Sebastian und Fabian und Meinrad und Agnes. Hier treffen weiß Gott alle drei Merkmale unseres Glaubens zusammen: Liturgia - Diakonia - Martyria. So ist es gut wenn uns heute der Apostel in der Lesung zuruft: Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt! Der Ort unserer Hoffnung ist hier in der Anbetung unseres Gottes. . _ Oder wie der hl. Don Bosco sagte: Steht mit den Füßen auf der Erde und wohnt mit dem Herzen im Himmel! Hier ist das Fenster zum Himmel durch das wir blicken können, um Weg und Richtung für unser Leben immer wieder neu zu finden; hier empfangen wir die Kraft und den Halt, um mit beiden Beinen fest auf der Erde zu stehen, um aktiv zu werden zum Heil der Welt und zum Lobe Gottes.
AMEN 

 

 

Festpredigt zum „Gelobten Tag“ am 20.01.2016 in Hessloch, von Pater Ralf Sagner OP (Dominikaner Worms)
 

Liebe Schwestern und Brüder,

der Heilige des heutigen Tages ist einer populärsten Gestalten der Heiligenschar, den die Kirche verehrt. Nachdem das
Erlöschen der Pestepidemie im Jahre 680 in Rom seiner Fürsprache zugesprochen wurde, wurde er dieser wichtigste
Heilige des christlichen Abendlandes.
Immer wieder flammte die Pest auf und kostete vielen Menschen das Leben. Diese Krankheit war eine Geißel,
die damals bis vor etwa 100 Jahren kein Mensch stoppen konnte.
Der Gelobte Tag, den wir hier in Dittelsheim-Hessloch in diesem Jahr feiern, entstammt einem Gelöbnis aus der Rettung
aus einer solchen Pestepidemie. Die Ohnmacht der Menschen damals macht diese Form der Danksagung verständlich
und wir haben heute Abend den Auftrag, das fortzusetzen.
Wir sagen heute also im Auftrag unserer Vorfahren Gott Dank für diese wunderbare Rettung aus einer schier
aussichtslosen Situation. Die Pest, die 1666 hier bis auf wenige Menschen diesen Landstrich entvölkerte liegt nun
350 Jahren zurück. Die Mittel, mit denen sich Menschen damals gegen diese todbringende Pest stemmten sind
solche rührenden Dinge wie Sebastianspfeile, die man bei sich trug und die vor unsichtbar anfliegender Krankheit
schützen sollten. Da Sebastian sein erstes Martyrium lebend überstand, vertrauten die Menschen auf ihren Schutz.
Inzwischen wurde die Dunkelheit, aus der solche Krankheiten die Menschen existenziell bedrohten erhellt.
Die Krankheit Pest stellt für uns heute keine tödliche Bedrohung mehr dar – Gott sei Dank.
Heute lächeln wir aufgeklärte Christen vielleicht ein wenig über die Naivität der Menschen damals.
Die Angst und die Ungewissheit unserer Vorfahren können wir aber heute immer noch gut nachvollziehen.
Wir sind immer noch dunklen Mächten ausgeliefert, gegen die wir bei bestem Willen kein Mittel kennen.
Wir stehen unheilbaren, tödlichen Krankheiten gegenüber, für die wir im Moment kein Kraut kennen: Krebs,
HIV / AIDS, Demenz etc. Stehen wir unheilbar tödlich erkrankten Menschen gegenüber, versagt uns nicht selten die Stimme.
In Anbetracht der Unerbittlichkeit versagen alle Argumente. Was tun wir aufgeklärte Menschen heute, wenn wir unsere
dumpfe Angst daraufhin spüren? Worauf richten wir unsere Hoffnung im Angesicht dieser Bedrohungen?
Und hier sollte uns die Stimme Jesu in den Sinn kommen, die uns der Evangelist Matthäus übermittelt:
„Fürchtet Euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können.“
Jesus meinte an dieser Stelle zwar Menschen, die uns an Leib und Leben gehen können.
Aber was macht es für einen Unterschied, wenn Menschen ohnmächtig Gefahren ausgeliefert sind, sei es Krankheit,
sei es Verfolgung und Krieg. Aus der göttlichen Liebe und Geborgenheit können wir nicht herausfallen.
Diese Gewissheit speist sich aus unserem Glauben, dass der menschgewordene Gott jeden Abgrund durchschritten hat,
den Menschen je durchschreiten können. Jesus ist keine Gefahr, kein Leid, keine Niedertracht fremd.
Er ist berührt worden, von all den Bedrohungen und von all unserem Leid.
Wir glauben an einen Gott, der sich ganz konkret uns zuwendet und unser sterbliches Leben teilt. Das mag unvoreingenommen merkwürdig klingen: Ein Gott, der sich als Mensch seiner Göttlichkeit entäußert und sogar sterblich wird. In der Tat wäre es widersinnig, ja sinnlos, das Vollkommene gegen das Unvollkommene zu tauschen.
Aber die eigentliche Großtat Gottes ist es, diese Unvollkommenheit, das Imperfekte, das Leid, ja sogar den Tod zu überwinden.
Seine Macht zeigt sich in diesem uns Menschen völlig unmöglichen Schritt. Gott agierte nicht aus einer Position der Stärke.
Er ist kein Manager, der die Puppen tanzen lässt. Er tat das aus der der Position der Unvollkommenheit und Schwäche heraus.
Das erfüllt uns mit der Hoffnung über die wir bereit sein sollen, Rede und Antwort zu stehen, denjenigen, die danach fragen,
wie Petrus das schreibt.
Diese Hoffnung ist Kraftquell. Sie war der Kraftquell des hl. Sebastian, der ihm ermöglichte, dem Kaiser gegenüberzutreten,
nachdem er von den Pfeilwunden genesen war. Er kannte durch diese Hoffnung keine Angst mehr, diese Ungerechtigkeit
und diesen Unglauben zu benennen und ihm entgegenzutreten. Neben dem Dank für diese Hoffnung ist der Mut
zu so etwas in der heutigen Zeit wünschenswert.
Das Licht der Aufklärung und Wissenschaft beleuchtet zwar viel, lässt aber auch viel Dunkelheit und Ohnmacht übrig.
Das erleben wir auf Schritt und Tritt, wenn wir uns umschauen und die ungelösten Fragen der Menschheit betrachten.
Die Dankbarkeit in dieser Ohnmacht und in dieser Dunkelheit die führende Hand Gottes spüren zu dürfen,
ist ein guter Gedanke für diesen Gottesdienst heute Abend und die Fortführung dieser schönen Tradition
des Gelobten Tages hier in unserem Ort.

Amen.

 


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Impulse / Predigten Seite 3 GOWEBCounter by INLINE
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